Im Advent gibt es jeden Tag ein Experiment

Professor Quadt aus Göttingen: PR-Mann für die Physik

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Der etwas andere Professor: Arnulf Quadt startet am 1. Dezember wieder „Physik im Advent“ und damti täglich ein spannende Experiment für den Hausgebrauch, damit Fragen beantwortet werden können.

Göttingen. Ein Weihnachtsmann in voller Montur bei 30 Grad Celsius in einem Göttinger Park: Der schwitzende Rauschebart ist Arnulf Quadt, unterwegs in geheimer Filmmission. 

Quadt ist aber keinesfalls ein durchgeknallter Typ, sondern Forscher und Physik-Professor an der Uni-Göttingen, der auch am Europäischen Kernforschungszentrum CERN arbeitete.

Im Sommer bereitet er einen besonderen Adventskalender vor, der internationalviele Fans hat. 2014 startete der renommierte Teilchenforscher Quadt „Physik im Advent“ (PiA) nach dem Vorbild von „Mathematik im Advent“: Vom 1. bis 24. Dezember müssen 24 Heim-Experimente mit haushaltsüblichen Materialien gelöst und die Fragen beantwortet werden.

Dann kommt auch wieder der schauspielerisch begabte, wie mit einer Prise rheinischem Humor ausgestattete Weihnachtsmann Quadt ins Spiel: Auf der PiA-Internetseite präsentiert er die Versuche mit Filmchen, die er selbst, unterstützt von Studenten, produziert. Ebenso auch die Werbe-Trailer – denn Quadt ist professionell unterwegs und erhält mittlerweile Promi-Unterstützung.

Schätzing und Physik im Advent

So nutzt er die Möglichkeiten, die ihm Beruf und Standort bieten. Bestseller-Autor Frank Schätzing lauerte er mit seiner Video-Kamerea auf, als der zum Auftritt beim Göttinger Literaturherbst vor Ort war. Und Flic-Flac-Chefin Larissa Medved-Kastein sprach er spontan beim Gastspiel des Akrobatik-Zirkus in Göttingen an.

Eine Aufgabe aus Physik im Advent 2017:

Abgelehnt wird der von Quadt an Prominente herangetragene Wunsch auf Unterstützung selten. Auch Unternehmen geben gerne etwas, so werden in diesem Jahr mehr als 300 Preise an die Teilnehmer verlost.

Das andere Büro

Das ist nicht zu übersehen: Gleich nach den Labore im 2. Physikalischen Institut der Uni Göttingen am Nordcampus hat Quadt sein Büro. Und das ist ganz anders, als man von einem Naturwissenschaftler erwarten würde: Es ist der Beliebtheit von PiA geschuldet. Kisten mit den von Sponsoren gespendeten Preisen, die zur Verlosung stehen, stapeln sich. Die Materialien, die für die Experimente benötigt werden lagern im Bücherregal. Daneben die Biografie von Oppenheimer. Der Besucher sieht: Hier ist ein Professor tätig, der anders gestrickt ist, als das Klischee erwarten lassen würde.

Nerv des Physikers

Im Werbeclip für Physik im Advent sagt der Autor des legendären Romans „Der Schwarm“, Frank Schätzing: „Physik ist cool, denn die ganze Welt ist Physik, alles um uns herum.“ Damit trifft er den Nerv des Physik-Professors. Diese Faszination der Physik zu vermitteln, dafür arbeitet er täglich: „Ich möchte junge Menschen begeistern“, sagt Quadt, der auch weiß, dass das in der Schule nicht immer der Fall ist, aus verschiedenen Gründen. Natürlich könne man den Physik-Unterricht hoch interressant gestalten. Um die Rahmenbedingungen sei es aber oft nicht bestens bestellt. Das Korsett der Lehrpläne, die Zeitnot, um Experimente vorzubereiten, die Ressourchen, technisch wie finanzielle, stimmten oft nicht. Die Physikräume seien oft unzureichend ausgestattet, die Lehrkräfte nicht immer so gut, wie sie sein müssten.

Problem Physikunterricht

Auch wünscht sich Quadt einen höheren Stellenwert des Fachs Chemie auf der Ansehens-Hitliste bei Schulleitern. Auch Schulverwaltungen und -träger sowie die Kultusministerien hätten daran ihren Anteil.

Arnulf Quadt also steuert gegen, was ganz im Sinne der Göttinger Uni, aber auch der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ist. Er tut das auch, weil er Spaß daran hat, als Forscher, als Lehrender – als PR-Mann in Sachen Physik. „Wir brauchen gute Nachwuchsphysiker“, sagt Arnulf Quadt mit Nachdruck.

1,5 Millionen Besuche

Der Physik im Advent jedenfalls komt an. Mehr als 31 000 machten 2017 mit, in Deutschland, Europa und in Übersee. Darauf musste sogar schon die tägliche Abgabezeit der Antworten angepasst werden. Die Internetseite registrierte 2017 knapp 1,5 Millionen Besuche. Rekord!

Spannende Experimente: Darauf können sich die Teilnehmer bei Physik im Advent im Dezember freuen.

„Jeder hat doch Interesse daran, sich zu erklären, wie etwas funktioniert. Jeder stellt sich Fragen und will Antworten erfahren“, sagt Quadt und meint natürlich die Physik. „Wir Physiker können und wollen doch erklären.“

Kein Ideenmangel

Anfangs dachte der Professor, dass bald ein Mangel an Ideen für realisierbare PiA-Experiment auftreten könnte. Die Befürchtung verflog schnell: „Es gibt viele einfache Experimente, das ist kein Problem.“ So bleibt PiA für Quadt ein Projekt, dass ihn das ganze Jahr beschäftigt, mal mehr, mal weniger.

Heiße Phase im Sommer

Die heiße Phase ist sicherlich die heiße Jahreszeit, der Sommer. Dann, wenn die Filme zu den Experimenten gedreht werden müssen. Denn sie müssen bearbeitet und vertont werden - mehrsprachig. Ein paar Helfer hat Quadt – Studierende, wie auch in seinem zweiten öffentlichen Projekt, der Physik-Show, die auch stets ein Renner bei der Göttinger Nacht des Wissens ist.

PiA-Unterstützer ist übrigens auch Deutschlands Basketball-Legende Dirk Nowitzki. Er empfängt auch 2019 wieder einen der Preisgewinner zum NBA-Spiel seiner Mavericks in Dallas. „Da kommen wir in der Halle sogar zum Dirk durch, was sonst wirklich schwierig ist“, freut sich Quadt.

Nowitzki und Gschwindner

Entstanden ist das über einen Kontakr zu Holger Geschwindner, den persönlichen Coach von Nowitzki, den er angerufen, und um Unterstützung von PiA gebeten hatte. Gschwindner, studierter Mathematiker und Physiker, war sofort Feuer und Flamme, besorgte Preise für PiA und ebnete den Weg zu Nowitzki.

Kein Wunder, denn der Trainer, der 1980 als Aktiver in der Meistermannschaft des ASC Göttingen stand, ist ein wissenschaftlich geprägter, akribischer Mensch. Er ließ physikalische Erkenntnisse und Berechnungen in das Training mit Nowitzki einfließen. Denn jeder Wurf, auch der perfekte, ist vor allem auch eines: Physik.

Hier geht es zu Physik im Advent 2018.

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