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Projekt Adelante: Beruflicher Neuanfang für junge Spanier in der Fremde

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Von: Michael Caspar

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Haben fast alle Arbeit in Südniedersachsen gefunden: Teilnehmende des dritten Göttinger Adelante-Jahrgangs im Ratssaal des Neuen Rathauses.
Haben fast alle Arbeit in Südniedersachsen gefunden: Teilnehmende des dritten Göttinger Adelante-Jahrgangs im Ratssaal des Neuen Rathauses. © Michael Caspar

Junge Spanier helfen, den Fachkräftemangel in Südniedersachsen zu lindern. 13 von ihnen haben jetzt in Göttingen beim Adelante-Projekt mit Erfolg eine betriebliche Anpassungsqulizierung absolviert.

Göttingen – Beeindruckt vom Mut und vom Durchhaltevermögen der Südeuropäer zeigte sich Birgitt Witter-Wirsam, die Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover, bei der Abschlussfeier im Neuen Rathaus. „Die Spanier sind alleine in die Fremde gegangen, haben eine neue Sprache gelernt und sich den Anforderungen des Berufslebens gestellt“, sagte die Rosdorfer Unternehmerin.

Sie überreichte den Teilnehmenden des dritten Göttinger Adelante-Jahrgangs Urkunden, die die Gleichwertigkeit von deren spanischen Berufsabschlüssen mit denen der deutschen bescheinigen.

„Ein halbes Jahr lang haben die Spanier in ihrer Heimat Deutsch gelernt (Sprachniveau B1), dann nach einer sechswöchigen Probezeit ihre zwölfmonatige Qualifizierung absolviert“, führte der Göttinger Adelante-Projektleiter Hendrik Abel von der städtischen Beschäftigungsförderung aus. Die 13 wollen in der Bundesrepublik bleiben. Fast alle haben bereits einen Arbeitsvertrag unterschrieben.

Fachinformatiker Oriol Colom ist bei Net@vision tätig, José Alfonso Nvumba als Bauzeichner im Architekturbüro AIB Lorenz-Sgodda. „Über das Programm konnten wir bereits zum zweiten Mal eine Fachkraft für Lagerlogistik gewinnen“, berichtete Dirk Bornemann, Geschäftsführer der Nörten-Hardenberger Firma CTDI. Im bereits angelaufenen neuen Adelante-Jahrgang seien sie wieder mit einer Lagerkraft und erstmals mit einem Elektroniker dabei. Andere Spanier sind in den Bereichen Mechatronik und Gastronomie tätig.

Zum ersten Mal qualifizierten sich 2020/21 fünf sozialpädagogische Assistentinnen in Göttingen. Sie haben nun bei verschiedenen Trägern Arbeit in Kindertagsstätten gefunden.

Die Kinder in den fünf ASC-Kitas hätten vielfältige Migrationshintergründe, das solle sich auch bei den 150 Mitarbeitenden der Kinderbetreuungs gGmbH des ASC widerspiegeln, erklärte Personalchefin Antonia Braun. ASC-Kita Luisenkids, so Belén Benito Elvira, habe trotz all ihrer Schwierigkeiten an sie geglaubt. Die Spanierin biss sich durch und bekam einen Arbeitsvertrag.

Während der Qualifikation kümmert sich die Beschäftigungsförderung um die „Adelantis“, sagte Mitarbeiterin Uta Heinemann. Die Spanier erhalten weiteren Deutschuntericht, können sich bei Arzt- und Behördengängen begleiten lassen, aber auch mit Kummer und Sorgen kommen. Es gibt Freizeitangebote, was während der Pandemie mit ihren eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten besonders wichtig ist, betonte Heinemann.

Seit Projektbeginn sind insgesamt mehr als 50 junge Leute nach Südniedersachsen gekommen. 90 Prozent arbeiten nun in Deutschland, führte Witter-Wirsam aus.

Das Programm wird in Niedersachsen auch in Hannover/Hildesheim, Diepholz und in der Wesermarsch umgesetzt, ergänzte der zuständige IHK-Mitarbeiter, Torsten Temmeyer.

Von Michael Caspar

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