159 Personen nahmen teil 

Projekt "Solar-Check-Plus": Lohnt sich die Investition in eine Solaranlage?

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Haben sich für Sonnenenergie entschieden: Wolfgang und Verena Gieße aus Bovenden haben im Jahr 2015 einen Solar-Check gemacht und kurz darauf in eine Solaranlage investiert.   

Göttingen. Das Projekt „Solar-Check plus“ der Energieagentur Region Göttingen ist ein Erfolgsmodell. Doch lohnt sich die Investition in eine Solaranlage eigentlich? 

Bereits 159 Personen haben die Beratung des Projekts in Anspruch genommen. Wir waren bei einer Familie aus Bovenden zu Besuch, die seit dem Solar-Check auf Sonnenenergie setzt. 

Die Motivation

„Es war einerseits die ökologisch- und ökonomische Motivation, aber auch die Tatsache, wenn denn die Möglichkeit besteht: Einfach Geld sparen zu können“, sagt Wolfgang Gieße aus Boveden.

Seine Frau Verena Gieße und er interessierten sich bereits während des Baus ihres Hauses im Jahr 2003 für Solarenergie. „Doch unser Dach entsprach nicht der klassischen Südausrichtung“, sagt Gieße. Das und der Punkt, dass Solaranlagen damals doppelt so teuer waren als heute, machten der Familie Gieße einen vorläufigen Strich durch die Rechnung.

Die Abweichung

Zwölf Jahre später haben sich die Gegebenheiten verändert: „Die Technologie hat sich weiter entwickelt – die Ausrichtung des Daches spielt bei Photovoltaik keine wesentliche Rolle mehr“, sagt Gieße. Wenn das Dach nach Süden ausgerichtet ist, bringe die Anlage zwar den meisten Ertrag ein. Eine Abweichung nach Osten oder Westen könne aber auch sinnvoll sein. Denn: Bei Südausrichtung wird der meiste Sonnenstrom in der Mittagszeit produziert. Bei Ost-West-Ausrichtung produziert sie am Morgen und in den späten Nachmittagsstunden meisten Strom. Für den Familienalltag, wenn alle tagsüber unterwegs seien, eine gute Lösung, sagt Gieße.

Der Vorab-Check

Bevor es ans Planen geht, lohnt sich deshalb ein Blick ins Online-Solar-Kataster für Südniedersachsen. Für mehr als 640 000 Dachflächen in Stadt und Landkreis Göttingen sowie im Landkreis Notheim gibt es Infos, ob das Dach für eine Solarananlage geeignet ist.

Der Solar-Check

Als die Familie einen Solar-Check machte – das war im Jahr 2015 – kostete der Eigenanteil für den einstündigen Besuch durch einen Energieberater 55 Euro. Jetzt liegt der Preis bei 40 Euro. „Unser Berater rechnete uns drei Varianten vor. Da war uns klar, rein rechnerisch wird sich die Investition lohnen“, erklärt Gieße.

Die Installation

Vom Solar-Check bis zur Installation der Module auf dem Dach habe es nicht lange gebraucht – etwa zwei Monate, sagt Gieße. „Die Installation selbst hat dann nur zwei Tage gedauert.“

Die Kosten

Auf dem Dach der Familie sind seither insgesamt 17 Solarmodule installiert und ein zwei Kilowattstunden (Kwh) -Solarspeicher sammelt die ungenutzte Energie im Keller. Für die gesamte Installation zahlten sie etwa 12 000 Euro, erklärt Wolfgang Gieße. „Und die Investition zahlt sich bis heute aus“, führt er fort.

Die Einsparungen

Denn von den 3100 Kilowattstunden, die im Jahr produziert werden, nutzt die Familie lediglich 40 Prozent. „Der Rest wird eingespeist“. Rund um seien es 350 Euro, die die Familie durch Solarenergie spart plus zusätzlichen 230 Euro, die sie an den Grundversorger verkauft. Aber nicht allein die finanziellen Vorteile sprechen für eine Installation, sagt Gieße. Und weiter: „Seither leben wir viel energiebewusster.“ 

So läuft der „Solar-Check-Plus“ ab

Nach der Anmeldung bei der Energieagentur wird ein Hausbesuch vereinbart. Bei der etwa anderthalbstündigen Visite werden alle wesentlichen Details des Gebäudes unter die Lupe genommen.

Am Ende gibt es einen schriftlichen Bericht. Darin werden Möglichkeiten, mit einer Solarwärmeanlage die Warmwasserbereitung oder auch die Heizung zu unterstützen oder mit einer Photovoltaikanlage Strom zu erzeugen, aufgezeigt.

Der Eigenanteil der Beratung liegt bei 40 Euro. Das bundesweit einmalige Projekt wird zunächst bis September vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Im nächsten Jahr soll der „solar-Check-Plus“ erneut angeboten werden.

Angebot wird gut angenommen

Bislang nahmen 159 Personen am Solarcheck teilt. Sechs haben bereits eine Solaranlage installieren lassen, zwei haben eine Installation beauftragt und 19 seien noch in der konkreten Planung, erklärt Doreen Fragel, Geschäftsführerin Energieagentur Region Göttingen. 

Änderungen bei Einspeisevergütung

In den vergangenen Jahren ist der Strompreis deutlich gestiegen. Inzwischen zahlen Kunden in der Regel einen Arbeitspreis von mehr als 28 Cent pro Kilowattstunde Strom.

Mit einer Photovoltaikanlage samt Speicher lässt sich laut Energieagentur Strom für den Eigenverbrauch für unter 20 Cent je Kilowattstunde erzeugen.

Bislang war das Einspeisen von Strom finanziell interessant – Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Hintergrund: Bei Neuanlagen fällt die sogenannte Einspeisevergütung inzwischen deutlich geringer als früher aus. Sie liegt aktuell bei kleinen Anlagen bei etwa 12 Cent je Kilowattstunde. Deshalb lohnt sich inzwischen der Eigenverbrauch des erzeugten Stroms.

Für eine Dachanlage mit Stromspeicher für einen Vier-Personen-Haushalt (Einfamilienhaus) muss laut Energieagentur mit Netto-Kosten von mindestens 11 000 Euro gerechnet werden.

Von diesem Betrag gehen Fördergelder ab. Bei deren Beantragung hilft die Göttinger Agentur. (bsc)

Weitere Informationen: Energieagentur Region Göttingen, Berliner Straße 4, 37073 Göttingen, Telefon 0551/38 42 13 10 oder   hier. 

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