Projekt der Universität: Weniger Luchse als vermutet in Nordhessen

Fantastisches Foto: Göttinger Forscher beschäftigen sich mit dem Luchsen in Nordhessen. Hier ein noch junges Foto eines Tieres auf dem Hohen Meißner. Foto: Schuster/nh 

Göttingen. In Nordhessen von Witzenhausen bis Alfeld leben weniger Luchse als zunächst angenommen – nämlich mindestens sechs. Das ist ein Ergebnis des Forschungsprojektes, das von der Uni Göttingen betreut wird und die kleine Population des Eurasischen Luchses im Fokus hat.

Die Forscher haben sie in einem etwa 610 Quadratkilometer großen Areal süd- und nordöstlich von Kassel an 20 Standorten mit automatischen Kameras – Fotofallen – gezählt. 96 Aufnahmen wurden seither von den scheuen Tieren gemacht. Die hohe Zahl der in den anderen Gebieten gemachten Fotos resultiert daraus, dass die Tiere oft mehrfach in die Fotofallen getappt sind. Verraten haben sie sich durch das Fellmuster, an dem die Luchse erkannt werden.

Dr. Markus Port

„Die Auswertungen haben ergeben, dass in den Wäldern südöstlich von Kassel mindestens sechs Luchse leben“, erklärt Dr. Markus Port, Leiter der Studie vom Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie der Uni Göttingen. „Erstaunlich ist, dass in unserer Untersuchungszone 3 südlich von Hess. Lichtenau über Spangenberg bis Alheim gar keine Tiere registriert wurden. Damit ist das Verbreitungsgebiet der nordhessischen Teilpopulation kleiner als bislang angenommen.

„Die Untersuchung zeigt, wie schnell man das Vorkommen der Luchse überschätzt und wie wichtig die Fortsetzung der Untersuchung ist. Nur so kann die Bestandssituation weiterverfolgt und die erhoffte weitere Ausbreitung erfasst werden“, erklärt Thomas Norgall vom Arbeitskreis Hessenluchs. Der Arbeitskreis stellt seit 2007 alle glaubwürdigen Feststellungen des Luchses im Auftrag des Landes Hessen zusammen.

Mit dem Geld der Sielmann-Stiftung, die auf Gut Herbigshagen bei Duderstadt beheimatet ist, sollen weitere Kameras gekauft werden. Holger Belz von der Stiftung sagt, warum das Göttinger Luchsforschungsprojekt gefördert wird: „Im Rahmen eines Naturschutz-Großprojektes übernehmen wir Verantwortung für die biologische Vielfalt entlang des Grünen Bandes, das teilweise zum Gebiet des Luchsprojektes gehört.“

Die Göttinger Wissenschaftler arbeiten eng mit dem Arbeitskreis Hessenluchs, den örtlichen Forstämtern und dem „Luchsprojekt Harz“ zusammen.

Zum Projekt gehört auch, dass Schulen aus der Region die Patenschaften für die Wildkameras übernehmen. In die Forschung sind zudem ausdrücklich ehrenamtliche Mitarbeiter eingebunden.

Kontakt: Interessierte können sich bei Dr. Markus Port, Tel. 0551/39-10 89 0 melden. Infos, auch über das Gebiet: www.luchs.uni-goettingen.de.

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