Arbeiten über die Belastungsgrenze hinaus

Protest am Uni-Klinikum Göttingen: Pfleger fordern mehr Personal

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Erschöpfter Patient, erschöpftere Pflegerin: Personalrat Hans-Martin Gurland mit Krankenschwester Gabriela Ölmann bei der Protestaktion im Uni-Klinikum.

Göttingen. Beschäftigte der Universitätsmedizin (UMG) Göttingen haben am Mittwoch mit einer Protestaktion auf die Überlastung in Kliniken aufmerksam gemacht.

Mit einer von der Gewerkschaft Ver.di organisierten Aktion forderten sie klare Personalbemessungsregeln und eine Zusage der Politik, dass dieses Personal auch refinanziert wird. Der Protest in Göttingen war auch ein Zeichen der Solidarität: Bundesweit wurde am Mittwoch in Krankenhäusern gestreikt, mit denen die Gewerkschaft über einen Tarifvertrag Entlastung erreichen will. Auch in Niedersachsen: Ver.di meldete allein 500 Streikende am Klinikum Region Hannover.

Für die Aktion stellten die Pfleger in der Göttinger Uni-Klinik die Szene einer Karikatur nach. Ein Patient fragt dabei seine völlig erschöpft wirkende Bettnachbarin, ob er die Schwester rufen soll. „Ich bin die Schwester!“, antwortet diese.

„Das ist stellenweise schon Realität“, sagte Personalrat und Fachkrankenpfleger Hans-Martin Gurland. Viele Pflegekräfte könnten durch die Überlastung den Beruf nicht mehr so ausüben, wie sie ihn gelernt hätten. „Das geht letztendlich zulasten der Patienten“, so Gurland. „Wir arbeiten in allen Bereichen bis zur absoluten Grenze und darüber hinaus“, sagte auch Christiane Schulz, Krankenschwester an der UMG. Eine festgelegte Mindestbesetzung für die Stationen sei dringend nötigt.

Laut Studienergebnissen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kommen in den USA auf eine Pflegekraft rund fünf Patienten. In Deutschland seien es 13. Die Folge: „Viele steigen auf Teilzeit um oder gehen verfrüht in Rente“, sagte Ver.di-Fachsekretär Patrick von Brandt.

Konkret fordert die Gewerkschaft die Festlegung einer Mindestpersonalausstattung im Tarifvertrag sowie Regelungen zum Belastungsausgleich, sollten die vereinbarten Vorgaben nicht eingehalten werden. 

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