Schreiben an Svenja Schulze

Protest gegen Umweltministerin: Bauern-Demo bei der Göttinger SPD

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Bauernprotest vor der SPD-Zentrale in Göttingen: Die Mitglieder der Vereinigung „Land schafft Verbindung“ machten ihrem Unmut über die Agrarpolitik Luft. 

Der Schlag saß tief für viele Bauern, als Bundesumweltministerin Svenja Schulze kürzlich der Landwirtschaft in einem Interview zum Bericht zur „Lage der Natur“ quasi die Alleinschuld am Verlust der Artenvielfalt gab

Zu viel Dünger und Pestizide würden auf den Wiesen und Weiden eingesetzt, auch die intensive Wiesenmahd würde sich negativ auswirken, sagte sie im Fernsehen.

Das hat viele Bauern so sehr verärgert, dass sie am Donnerstag auf die Straße gingen – und ihre Schlepper mitbrachten. Bundesweit fanden in vielen Städten die Proteste der Bauernorganisation „Land schafft Verbindung“ (LSV) statt, so auch in Göttingen. Dort fanden sich 50 Landwirte mit 15 Treckern vor der SPD-Zentrale in der Nicolaistraße ein, um ein Protestschreiben gegen die Ministerin abzugeben und deren Rücktritt zu fordern.

In dem Schreiben heißt es unter anderem, dass die Landwirte nicht mehr länger bereit seien, sich das permanente Bashing aus dem Umweltministerium bieten zu lassen. Bewusst werde mit Falschaussagen eine ganze Branche diffamiert und gegen die Wand gefahren, indem unbedarften Bevölkerungsteilen suggeriert werde, dass die intensive Landwirtschaft den angeblich so immensen Rückgang an Biodiversität zu verantworten habe, heißt es in dem Schreiben weiter.

Protestschreiben

Entgegen nehmen konnte das Protestschreiben der Landwirte niemand in der Göttinger SPD-Zentrale. Stattdessen hinterließen die Landwirte dort eine Reihe von Eimern und Pflanzkübel, die den Genossen zeigen sollen, wie vielfältig die Landwirtschaft ist.

Arne Röttger aus Lagershausen

„Wir können nicht nur Futter- und Nahrungsmittel, wir können auch Artenvielfalt“, sagte Landwirt Arne Röttger aus Lagershausen (Northeim), der einen Blumentopf mit Ackerwildkräutern auf die Eingangstreppe stellte: „Frau Schulze macht ausschließlich die Landwirtschaft für den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich und uns zum Sündenbock.“

Jörn Hesse aus Ossenfeld

„Es muss Schluss sein, dass die Ministerin derartige Lügen verbreitet auf Kosten des gesamten Berufsstands“, empört sichLandwirt Jörn Hesse aus Ossenfeld bei Dransfeld. Statt Polemik brauche es in der Politik mehr Fakten. Statt vom Bauchgefühl sowie den Nichtregierungsorganisationen wie Nabu und BUND sollten sich die Politiker und Regierungsverantwortliche besser von Wissenschaft und Wahrheiten lenken lassen.

Thomas Obermann aus Bördel

Ähnlich sieht es sein Kollege Thomas Obermann aus Bördel bei Dransfeld: „Wir arbeiten mit der Natur. Seit Generationen gestalten und pflegen wir Landwirte unsere vielfältige Kulturlandschaft, die diesen Artenreichtum erst hervorgebracht hat.“ Eine Ministerin dürfe sich nicht so vor den Karren der Umweltverbände mit ihren selbst ernannten Experten spannen lassen.

Ulrich Jerebic aus Langenholtensen

Sauer ist auch Ulrich Jerebic aus Langenholtensen (Northeim), der Schulzes Rücktritt fordert: „Das ist nicht der erste Fauxpas der Ministerin, es wurde viel Porzellan zerschlagen, die gemeinsame Gesprächsgrundlage ist nicht mehr da, weshalb Ministerin Schulze nicht mehr tragbar ist.“ Schulzes permanente Diffamierung der Landwirte rege ihn tierisch auf. Sie müsse den Weg frei machen für einen neuen Dialog mit den Landwirten.

Auch für Heike Raulf, Milchviehhalterin aus Düna (Osterode), ist das Maß voll: „Wir als Landwirte - die Branche, die mit Lebens- und Futtermitteln für die Grundversorgung der Bevölkerung sorgt – werden einzig an den Pranger gestellt.“ Die Branchen der Luxusgüter wie Automobil und Flugreisen blieben hingegen komplett unerwähnt.

VON CHRISTIAN MÜHLHAUSEN

SPD-Abgeordneter Oppermann setzt sich für einen Dialog ein

Bundestagsabgeordneter Thomas Oppermann reagierte am Donnerstag auf den Bauernprotest vor der SPD-Zentrale: „Wir haben eine hochproduktive Landwirtschaft, die uns zuverlässig mit Lebensmitteln versorgt. Gleichzeitig erleben wir einen zerstörerischen Klimawandel, ein dramatisches Insektensterben, einen Rückgang der Artenvielfalt und die Belastung von Trinkwasser."

Für diese Probleme kann man aus Sicht von Oppermann keineswegs die Landwirtschaft allein verantwortlich machen, aber sie „müssen im Dialog mit der Landwirtschaft gelöst werden“, fordert der Abgeordnete. Oppermann kennt nach eigenem Bekunden die Interessenlage der südniedersächsischen Landwirte gut: „Ich habe mich in den letzten Monaten für eine am Tierwohl orientierte Praxis bei der Ferkelkastration eingesetzt und bin mit den Milchbauern in einen Dialog getreten.“ Auch zum Landvolk steht Oppermann nach eigenen Angaben in gutem Kontakt. „Wir brauchen vernünftige Lösungen, die die Interessen des Umweltschutzes und der Landwirtschaft gleichermaßen berücksichtigen."

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