An die Siekhöhe

Protest gegen Zwangsumzug von Flüchtlingen

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Protest schon beim Pressetermin: Ehemaliger Großmarkt am Anna-Vandenhoeck-Ring im Göttinger Industriegebiet Siekhöhe wird Massenunterkunft für Flüchtlinge. Das finden viele, vor allem ehrenamtliche Helfer, nicht gut.

Göttingen. Die Stadt muss sich warm anziehen: Die Kritik an der Großunterkunft in der Industriehalle an der Siekhöhe und dem Zwangsumzug vieler Geflüchteter nimmt zu.

Donnerstag wird demonstriert.

Für die Flüchtlingshilfe Weende, wo vor allem die Bewohner der Unterkunft Große Breite betroffen sind, würden nun „gut integrierte und betreute Flüchtlinge aus ihren gewohnten Strukturen herausgerissen“, die Menschen würden ohne Not in eine fensterlose Massenunterkunft für 400 Menschen umgesiedelt.

Die Massenunterkunft an der Siekhöhe widerspräche nicht nur den Versprechen der Stadt, Flüchtlinge möglichst dezentral unterzubringen, sondern sie sei auch schwer zu erreichen. Mit dem Bus dauere die Fahrt nach Weende in die vertraute Umgebung etwa 50 Minuten.

Keine Schädlinge im Haus

Der als Grund für den Umzug aus dem Haus Große Breite 10 genannte Ungezieferbefall ist laut Flüchtlingshilfe Weende nicht stichhaltig: Es gebe keine Anzeichen für einen starken Befall. Seit der Sanierung der benachbarten Poststelle sei seit fünf Monaten keine Kakerlake in der Unterkunft mehr gesichtet worden, heißt es. Die Stadt will das Gebäude von Schädlingsbekämpfern säubern lassen, deshalb müssten die Bewohner ausziehen, so die offizielle Begründung der Stadt.

Auszug unnötig

Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer aus Weende sagen: Ein Auszug der Bewohner ist nicht notwendig. Denn laut der Experten der Schädlingsbekämpfungsfirma IBO sei das eingesetzte Insektizid nicht gefährlich für Menschen. Und: Selbst bei sehr starkem Befall müsste nur zwei Mal im Abstand von vier Wochen behandelt werden. Die Bewohner müssten dann das Gebäude für etwa acht Stunden verlassen, heißt es in der Pressemitteilung.

Knackpunkt Rückkehr

Unverständlich ist für die Ehrenamtlichen auch, warum die Menschen nach einem Auszug nicht zurückkehren dürfen, denn viele seien sehr gut im Stadtteil Weende integriert und würden aus diesem sicheren, vertrauten Umfeld gerissen, wo sie eine Privatsphäre in eigenen Räumen und sogar individuelle Kochmöglichkeiten haben.

Unterschriftensammlung

Der „Runde Tisch Weende“ sammelt Unterschriften: „Weender Flüchtlinge sollen in Weende bleiben“ ist die Liste betitelt. Darin wird auch bekräftigt, das speziell in Weende viel für die Integration getan worden sei. Vor allem wird gefordert, dass die Flüchtlinge aus Weende nach der Sanierung der Räume in der Großen Breite wieder dorthin zurückkehren können.

SPD für eine Rückkehr

Die Sozialdemokraten laufen übrigens auch nicht konform mit den Plänen der Verwaltung: Stadtverband und Fraktion fordern, dass die „gewachsenen Strukturen in der Unterbringung- und Integrationsleistung nicht grundlos zerstört werden dürfen“. Die Bewohner müssten in die Große Breite zurückkehren können, wenn sie es wünschen. Wunsch des SPD ist aber: Dass die Flüchtlinge so schnell wie möglich nach ihrer Anerkennung Wohnungen in Göttingen finden.

Demo am Donnerstag

Für Donnerstag, 19. Mai, ist eine Demonstration geplant. Titel: „Siekhöhe is´ nicht – für menschenwürdige Unterbringung und gegen Zwangsverlegungen.“ Beginn ist um 16 Uhr vor dem Neuen Rathaus.

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