Protestcamp gegen Abschiebung

Göttingen. Vor der Göttinger Jakobikirche haben Menschenrechtsaktivisten ein Protestcamp aufgebaut. Dort wird unter anderem gezeigt, Flüchtlingsfamilien in Deutschland leben. Zwei Flüchtlingsfamilien und ein Einzel-Asylbewerber stehen mit ihren Geschichten für die Schicksale vieler Menschen.

„Unser Protest soll ein Aufschrei sein“, sagt der Menschenrechtsaktivist Akbar Mohamedi, der die Flüchtlinge im Camp betreut und für sie dolmetscht: „Die Menschen fühlen sich ignoriert und vielmals hilflos. Wir protestieren aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen wie zum Beispiel Diskriminierung, die ständige Angst vor Abschiebung, Residenzpflicht, Isolation im Lager, mangelndes Angebot von Sprachkursen und Bildungsmöglichkeiten, die häufige Unmöglichkeit, einer Arbeit nachzugehen.“ Mohamedi kritisiert vor allem die lange Dauer von Anerkennungsverfahren und dass das Verwaltungsgericht Göttingen Fluchtgründe oft ignoriere.

Das betrifft auch das Ehepaar Babak Khorram Yousefi (38) und seine Frau Fatemeh Cadiry Asti (35) aus dem Iran, die dort heimlich zum Christentum konvertiert sind und deshalb mit dem Tode bedroht werden. Die Familie soll zunächst nach Italien abgeschoben werden, weil sie über dieses Land in die Europäische Union eingereist ist. Für die zehnjährige Tochter Mana wäre ein Umzug mit Schulwechsel ein Riesenproblem. Sie besucht nämlich die vierte Klasse der Göttinger Egelsbergschule.

Die afghanische Familie Farzaie wird seit fünf Jahren nur geduldet. Jamila Farzaie (29) flüchtete wegen einer anberaumten Zwangsheirat aus ihrer Heimat. Sie lebt mit ihrem Ehemann Mohamed (43), den sie aus Liebe heiratete, sowie mit ihrem Sohn Maiwan (2) und der zwei Monate alten Ella in Nörten-Hardenberg.

Der 39-jährige Ingenieur Ramin Rahimi war im Iran als Kommunist aktiv. Deshalb droht ihm dort die Hinrichtung. Er wird seit viereinhalb Jahren nur geduldet. Rahimi will auf jeden Fall in Deutschland bleiben: „Ich lasse mich nicht abschieben, niemals!“

Das Protestcamp gegen Abschiebung von Flüchtlingen soll zwei Wochen lang vor der Göttinger Jakobikirche stehen. Die Flüchtlinge informieren täglich von 13 bis 18 Uhr über ihr Schicksal.

Rubriklistenbild: © Papenheim/HNA

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