Bürgerinitiative ist dagegen

Proteste gegen Baugebiet in Nikolausberg: Stadt plant den Bau von 120 Wohnungen

Ein Mann zeigt auf eine offene Fläche vor einem kleinen Waldstück
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Protest gegen Baugebeit „Auf der Lieth“ im Göttinger Stadtteil Nikolausberg. Anwohner Erhard Langkeit zeigt, wo etwa 120 Wohnungen samt Läden und Raum für Dienstleister entstehen sollen. Es regt sich massiver Protest in Nikolausberg. Links das dort stehende, weithin sichtbare Hochhaus aus den 70er-Jahren.

Die Stadt Göttingen will im Stadtteil Nikolausberg ein Bauprojekt für Wohnungen für Senioren und Geringverdiener realisieren. Das trifft aber nicht überall auf Zustimmung.

Göttingen – Vor allem für Senioren und Geringverdiener will die Stadt Göttingen in Nikolausberg 60 bis 120 Wohnungen schaffen. Anwohner des geplanten Neubaugebiets „Auf der Lieth“ warnen jedoch vor sich verschärfenden Verkehrsproblemen und Auswirkungen auf die Natur. So würden Bodenbrüter wie die Feldlerche vertrieben. Auch würde die Kaltluftzufuhr nach Weende gestört.

Eine herrliche Aussicht ins Bratental bietet die anderthalb Hektar große Wiesenfläche am Ortsrand von Nikolausberg. Dort will eine Rot-Grüne Mehrheit das Projekt „Wohnen mit Weitblick“ realisieren.

Baugebiet in Nikolausberg: Planung noch am Anfang

Noch steht die Stadtverwaltung mit der Planung am Anfang. Doch Überlegungen, dort Gebäude mit vier Voll- sowie einem Staffelgeschoss zu ermöglichen, alarmieren Anwohner und sorgen für Unruhe im beschaulichen Nikolausberg.

Im Gespräch sind zudem der Bau einer Kindertagesstätte und Krippe, die Einrichtung einer Tagespflege und Wohngruppe für Demenzkranke sowie Dienstleistungen wie Physiotherapie und Friseur, Café, Quartierstreff und Gemeinschaftsgarten.

Große Pläne also, zu groß für manchen Anwohner und lange in Nikolausberg wohnenden Bürger. Viele haben sich deshalb – auch, weil sie sich desinformiert und vom demokratischen Prozess ausgeschlossen fühlen – entschlossen, aktiv zu werden.

Baugebiet in Nikolausberg: „Projekt ist immer größer geworden“

„Das Projekt ist in den vergangenen fünf Jahren immer größer geworden“, berichtet Erhard Langkeit, der in der benachbarten Reihenhaussiedlung wohnt. Er gehört zu den Sprechern eines Bürgerkreises, der das Vorhaben seit drei Jahren kritisch begleitet.

Weil die etwa 50 Aktiven das Gefühl haben, nicht gehört zu werden, wollen sie als Bündnis für nachhaltige Stadtentwicklung bei der Ortsratswahl antreten und so politisch in Informations- und Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

Auf der Lieth, so Langkeit, gebe es seit Jahrzehnten Verkehrsprobleme, nicht zuletzt durch Falschparker. Für ein hohes Verkehrsaufkommen sorgen die mehr als 1000 Bewohner einer angrenzenden Geschossbausiedlung, die Ende der 60er-Jahre entstanden ist.

Baugebiet in Nikolausberg: Geplantes Großprojekt Anfang der 70er-Jahre gestoppt

Markantestes Gebäude ist ein Hochhaus mit 72 Wohnungen, das weithin sichtbar über dem Leinetal thront – und nach Ansicht vieler einen Schandfleck darstellt. Das Viertel war seinerzeit als erster Baustein einer Nordoststadt mit 60 000 Einwohnern gedacht. Das von Architektin Lucy Hillebrand erstellte Leitbild sah ein Stadtquartier vor, das sich bis Herberhausen und Roringen erstreckte.

Aus Kostengründen stoppte die Stadt das Vorhaben Anfang der 70er-Jahre. Stattdessen wurden in Nikolausberg kleinere Baugebiete ausgewiesen, wie Mitte der 80er Jahre die Reihenhaussiedlung, in der Langkeit lebt.

Baugebiet in Nikolausberg: Verkehrsprobleme im Stadtteil

Die Verkehrsprobleme nahmen mit den Jahren zu. „Auf der Lieth kommen oft Lieferfahrzeuge eines örtlichen Supermarkts und Busse nicht aneinander vorbei“, berichtet er. Zudem ist der Stadtteil nur über eine Ausfallstraße zu erreichen, die in Nikolausberg endet. Die vier von Hillebrand vorgesehenen Erschließungsstraßen wurden nie gebaut.

„Es gibt Verkehrsprobleme, für die wir bisher keine 1a-Lösung gefunden haben“, räumt Ortsbürgermeisterin Karola Margraf (SPD) ein. Das fände im Verkehrsgutachten Berücksichtigung, das im Vorfeld des Bauvorhabens erstellt werde. Senioren würden sicher häufiger den Bus oder das E-Bike nutzen.

CDU und FDP begrüßen den barrierefreien Geschosswohnungsbau für Senioren. „Auf dem Rest der Fläche wünschen wir uns jedoch Reihen- oder Doppelhäuser“, betont Hans Otto Arnold (CDU), der Vorsitzende des Bauausschusses im Göttinger Stadtparlament. Die Kindertagesstätte samt Krippe lasse sich auch an derer Stelle bauen, meint Arnold. (Michael Caspar)

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