Bauausschuss vertagt Entscheidung

Proteste: Tausende gegen Industriegebiet

Die Bürgerinitiative Dragoneranger macht Druck: So gab es eine Demonstration mit zahlreichen Teilnehmern vor dem Neuen Rathaus.
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Die Bürgerinitiative Dragoneranger macht Druck: So gab es eine Demonstration mit zahlreichen Teilnehmern vor dem Neuen Rathaus.

Die Proteste der Göttinger Bürgerinitiative gegen das geplante Industriegebiet zeigen Wirkung: Der Bauausschuss vertagt die Entscheidung über Dragoneranger.

  • Die Demonstrationen gegen das in Göttingen-Weende geplante Industriegebiet Dragoneranger waren erfolgreich
  • Über 3000 Unterschriften sammelte die Bürgerinitiative für den Erhalt des Naherholungsgebietes Leineaue und gegen die Versiegelung von Ackerland
  • Auf Veranlassung des städtischen Bauauschusses kamen Verwaltung und Politik mit der Bürgerinitiative ins Gespräch

Göttingen – Die Proteste gegen das in Göttingen-Weende geplante Industriegebiet Dragoneranger zeigen Wirkung. Verwaltung und Politik suchen jetzt auf Veranlassung des städtischen Bauausschusses das Gespräch mit der Bürgerinitiative. Im Dezember will sich der Ausschuss dann erneut mit dem Thema befassen. Mehr als 3000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative gegen das Industriegebiet gesammelt. Neben vielen Göttingern protestieren unter anderem auch Berliner, Hamburger und Stuttgarter gegen die Versiegelung von Ackerland. Sie sprechen sich für den Erhalt des Naherholungsgebiets Leineaue aus. Die Gegner machten mit einer Demonstration vor dem Neuen Rathaus weiter Druck und forderten: „Hört auf die Kinder dieser Stadt.“

Mehr als 3000 Unterschriften kamen gegen das Industriegebiet Dragoneranger zusammen. Baudezernentin Claudia Baumgartner (rechts) nahm sie entgegen.

Der Appell traf auf offene Ohren. Gleich zwei Änderungsanträge zur Verwaltungsvorlage diskutierte der Ausschuss. Parteiübergreifend herrschte Einigkeit darüber, dass am Drangoneranger kein Industrie-, sondern ein weniger belastendes Gewerbegebiet entstehen soll. Zudem müsse es kleiner ausfallen. Die Verwaltungsvorlage geht von 14,7 Hektar aus.

Demonstration gegen Industriegebiet

SPD, CDU und FDP sprachen sich für eine „sehr breite, grüne Querung“ des Gebiets hin zur Leineaue aus, führte der CDU-Fraktionschef Olaf Feuerstein aus. Sie solle das Naherholungsgebiet besser an Weende anbinden. „Mit einem Fußweg und ein paar Bäumen“ sei es nicht getan, stellte Feuerstein klar.

Das fand die Zustimmung der Grünen, die eine Verkleinerung des Gebiets auf zwei bis vier Hektar im südlichen Bereich nahe von Autobahnzubringer und Klärwerk anregten. Dort wollen SPD, CDU und FDP das umstrittene Betonwerk ansiedeln.

Geprüft werden soll jetzt noch einmal der Beitrag des Dragonerangers bei der Erzeugung von Kaltluft, die von dort in die Innenstadt strömt. Auch die zusätzliche Belastung Weendes durch Schwerlastverkehr will die Verwaltung erneut in den Blick nehmen. Sie rechnet mit 1100 zusätzlichen Fahrzeugen am Dragoneranger, der nach derzeitiger Planung über einen Kreisel an den Autobahnzubringer angebunden wird.

Darum geht es: Das geplante Industriegebiet Dragoneranger im Göttinger Norden zwischen den Bundesstraßen 3 (Bildmitte) und 27 (unten) ist umstritten.

Während der Einwohnerfragestunde ging es um die 41 Hektar Gewerbeflächen im Stadtgebiet, die derzeit nicht genutzt werden. Auf diese Flächen habe die Stadt keinen Zugriff, betonte die Verwaltung. Die Eigentümer wollten sie aus verschiedenen Gründen nicht verkaufen, unter anderem um sich nicht künftige Erweiterungsmöglichkeiten zu nehmen. Edgar Schu (Linke) regte daher an, Gewerbeflächen künftig nur noch in Erbbaupacht zu vergeben.

CDU-Fraktionschef Feuerstein betonte, dass der Dragoneranger die letzte große Fläche in Göttingen sei, die sich gewerblich nutzen lasse. Der Bauausschussvorsitzende, Hans Otto Arnold (CDU), erklärte, dass es nachträglich betrachtet ein „Fehler“ gewesen sei, dass die Stadt die „großen Flächen“ Richtung Rosdorf an einen einzigen Investor abgegeben habe. (Von Michael Caspar)

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