Demo gegen Autos

Protestierende: Göttingen soll Klimanotstand ausrufen

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Gute Laune: Eine Fahrraddemonstration für den Klimaschutz, organisiert von Greenpeace gab es am Samstag auch in Götttingen. Foto: Stefan Rampfel

Göttingen - Autos raus aus der Stadt, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer - das forderten Demonstranten am Samstag.

Zu einem Picknick mit anschließender Fahrraddemo durch Göttingen unter dem Motto „Radeln für ein besseres Klima“ hatte Greenpeace am Samstag aufgerufen. Anlass war der internationale PARKing Day. Dieser weltweite Aktionstag macht auf den Platzverbrauch von Autos aufmerksam und plädiert für lebenswertere und nachhaltige Flächennutzungsformen in Städten.

Am Albaniplatz gegenüber der Stadthalle standen am Samstag so nur die Hälfte der Parkplätze zur Verfügung. Einige Autofahrer zeigten für die Aktion jedoch kein Verständnis. Es kam zu Staus in den Parkreihen.

Gleich nebenan wurde von den Rednern direkt eine Lösung präsentiert: Der Personen- und Güterverkehr müsse reduziert und auf nachhaltige Mobilitätsmuster zurückgegriffen werden. Ein Großteil der Flächen in Städten ist durch Straßen versiegelt, das sorge für immer mehr Autoverkehr. Allein in Göttingen seien rund 45 500 Autos zugelassen, die etwa 570 000 Quadratmeter Fläche benötigten.

„Wir sind hier, weil wir in Zeiten der Klimakrise eine Verkehrswende brauchen“, sagte Emine Yetim von Greenpeace. „Eine der Hauptursachen der Klimakatastrophe ist das Auto“, ergänzt Dorothee Krimmer. Sie verglich das Auto mit dem SARS-CoV2-Virus, das sich zu schnell verbreitet hat. „Es geht nicht darum, Autos zu verbieten, sondern ihre Anzahl zu verringern“, so Krimmer. „Autos erzeugen nicht nur eine Menge CO2 und Lärm, sie rauben uns Platz für Natur, für Freizeit und Fahrradwege, für Wälder und Naturschutzgebiete. Berechnungen haben ergeben, dass der Straßenverkehrslärm in Deutschland in einem Jahr Kosten von mehr als neun Milliarden Euro verursacht.“

Krimmer forderte, Straßen für den Autoverkehr zu sperren, Parkplätze zu reduzieren und den frei werdenden Platz für Fußgänger und Radfahrer zu nutzen. Zudem brauche man eine grundlegende Verkehrswende, die sich auf öffentlichen Verkehrsmitteln aus erneuerbaren Energien orientiere. Die Städte müssten von Autos befreit werden.

Diese Meinung vertritt auch Dr. Klaus-Peter Schweiger, der für die Organisation „Health for future“, einem Zusammenschluss von in der Medizin tätigen Menschen, sprach. „Wir sind über die zunehmende Beschleunigung der Klimakrise sehr besorgt. Es ist absehbar, dass deren Auswirkungen für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen dramatisch zunehmen werden.“ Umso erstaunlicher, so der Facharzt, ist das unverändert langsame Tempo von Politik und Verwaltung, wenn es um die Behandlung und die Bewältigung der Klimakrise geht. „Wir rufen den Oberbürgermeister und den Rat der Stadt Göttingen dazu auf, die Klimakrise und deren Bewältigung endlich mit der Dringlichkeit anzugehen, die ihrer Bedeutung angemessen ist. Rufen Sie den Klimanotstand in Göttingen aus und räumen der Krise die oberste Priorität ein“, so Schweiger.

Um 12 Uhr startete die Fahrraddemo mit etwa 100 Teilnehmern, die über die Bürger- und Berliner Straße zum Weender Tor, über die Weender Landstraße, Hannoversche Straße, An der Lutter und Robert-Koch-Straße zum Campus der Uni führte. Von Stefan Rampfel

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