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Prozess wegen Bandendiebstahls: Polizist sagt aus - Auto kam mit Vollgas auf ihn zu

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Von: Heidi Niemann

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Gerichtsgebäude in Göttingen im Sommer: Landgericht und Amtsgericht am Maschmühlenweg.
Am Landgericht Göttingen sagte nun einer der Polizeibeamten im Prozess wegen Bandendiebstahls aus. © Thomas Kopietz

Der Prozess gegen mutmaßliche Autodiebe vor dem Landgericht Göttingen geht weiter.

Göttingen/Osterode – Der 41-jährige Polizeioberkommissar hat schon so manche gefährliche Situation erlebt. Bevor er Polizist wurde, nahm er als Soldat an Auslandseinsätzen der Bundeswehr teil. Einmal wurde er dabei nach eigenen Angaben angeschossen.

Doch was ihm Anfang des Jahres bei einem Polizeieinsatz in Deutschland nahe der Autobahn 7 bei Seesen widerfuhr, „das hat mich mehr beschäftigt als die Geschehnisse in Afghanistan und im Kosovo“, erklärte er jetzt als Zeuge im Prozess gegen eine mutmaßliche Bande von Autodieben vor dem Landgericht Göttingen.

Polizeibeamter sagt vor dem Landgericht gegen mutmaßliche Autodiebe aus

Seit Mitte Juli müssen sich dort vier Männer – drei von ihnen stammen aus Polen, einer aus der Ukraine – wegen Bandendiebstahls verantworten. Einer von ihnen ist ferner unter anderem wegen versuchten Mordes angeklagt. Der 26-Jährige soll bei einer nächtlichen Kontrolle mit einem kurz zuvor gestohlenen Pkw auf den 41-jährigen Beamten zugefahren sein, sodass dieser sich nur durch einen Sprung zur Seite retten konnte.

Damals habe es konkrete Hinweise gegeben, dass eine Tätergruppe aus Polen an dem Abend mit einem Opel Astra nach Deutschland eingereist sei, um im Großraum Harz Autos zu entwenden, sagte der Polizist. Die Information stellte sich als zutreffend heraus: Gegen 2 Uhr nachts wurde im Osteroder Ortsteil Förste ein Audi Q 7 im Wert von 30.000 Euro gestohlen. Die Fahnder bekamen noch mit, dass einer aus der polnischen mutmaßlichen Tätergruppe mit dem gestohlenen Auto in Richtung A 7 davonbrauste.

Daraufhin nahmen zwei zivile Streifenwagen die Verfolgung auf. Kurz vor der Anschlussstelle Seesen ergab sich vor einer roten Ampel die Möglichkeit eines Zugriffs. Der Streifenwagen, in dem der 41-jährige als Beifahrer saß, setzte sich vor das gestohlene Auto. Das andere zivile Polizeifahrzeug habe mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn dahintergestanden, berichtete der Polizei.

Autodiebstahl: Mutmaßliche Täter fahren mit Vollgas auf Polizisten zu

Nachdem er ausgestiegen war und zwei bis drei Schritte zu dem Audi Q 7 gemacht hatte, habe er gesehen, dass der Fahrer kurbelte, das Lenkrad nach rechts einschlug und dann mit Vollgas auf ihn zufuhr. Er sei dann nach links weggesprungen, dabei jedoch noch von dem Audi am Bein erwischt worden und auf der Motorhaube aufgeschlagen. Danach habe er sich einmal in der Luft gedreht und sei dann auf die Straße geprallt. Anschließend hätten die Beamten den Autodieb weiter verfolgt und am Ende festgenommen.

Der 41-jährige Polizist war durch den Aufprall auf den Audi und den Sturz auf die Straße so erheblich verletzt worden, dass er drei Monate dienstunfähig war. Zu schaffen macht ihm aber auch, aus welchem Anlass er plötzlich in Lebensgefahr geraten war: „Es ging um ein geklautes Auto, um einen blöden SUV“, sagte er.

Zuvor hatte die Verteidigerin des 26-Jährigen im Namen ihres Mandanten eine Erklärung abgegeben. Der Angeklagte räume ein, das gestohlene Auto gefahren zu haben, könne sich jedoch an keine Details erinnern. Er könne nicht ausschließen, dass er gegen Verkehrsregeln verstoßen und eine Unfallflucht begangen habe. (Heidi Niemann)

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