Kommilitonin soll Studentin ermordet haben

Prozess um Eifersuchts-Mord in Göttingen: Zeuge belastet Angeklagte

Göttingen. Wegen eines Eifersuchtsmordes muss sich seit Dienstag eine 28-jährige Studentin vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, Ende Oktober 2015 eine 24-jährige Mitstudentin in deren Ein-Zimmer-Appartement durch mehrere Stiche mit einem Küchenmesser getötet zu haben. Die 28-Jährige habe heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt. Tatmotiv sei Eifersucht gewesen. Sie habe ihre Kommilitonin getötet, weil diese eine Liebesbeziehung mit ihrem früheren Lebensgefährten gehabt habe, mit dem sie mehrere Jahre lang liiert gewesen sei.

Zum Prozessauftakt machte die 28-Jährige, die ebenso wie das Mordopfer die chinesische Staatsangehörigkeit hat und bis zu ihrer Verhaftung an der Universität Göttingen Volkswirtschaft und Ostasienwissenschaften studiert hat, lediglich Angaben zu ihrer Person. Zu den Anklagevorwürfen werde sie sich nicht äußern, sagte ihr Anwalt Jürgen Ahrens.

Laut Anklage war die 28-Jährige am Morgen des Tattages mit dem Auto ihres Ex-Freundes zu einer Kfz-Werkstatt gefahren, um die Reifen wechseln zu lassen. Danach habe sie sich mit dem Taxi zur Wohnung seiner neuen Freundin bringen lassen, um mit ihr über deren Beziehung zu reden. Dort habe sie ein mitgebrachtes Küchenmesser aus der Tasche gezogen und auf das Opfer eingestochen. Einer der Stiche durchtrennte die Halsschlagader. Kurze Zeit später verstarb die 24-Jährige. Danach soll die Angeklagte mit dem Taxi zurück zur Kfz-Werkstatt gefahren sein und das Auto abgeholt haben.

Ihr Ex-Freund, der am ersten Prozesstag als Zeuge aussagte, hatte sich wegen eines Zahnarzttermins nicht selbst um das Auto kümmern können. Er habe sich gewundert, warum der Reifenwechsel so lange gedauert habe, sagte der 31-jährige Informatiker, der ebenfalls aus China stammt. Er sei etwa sieben Jahre lang mit der Angeklagten liiert gewesen. Vor drei Jahren habe er sich erstmals von ihr trennen wollen. Sie habe daraufhin einen Suizidversuch unternommen. Sie hätten dann ihre Beziehung zunächst fortgesetzt. Als er vor einigen Monaten entdeckt habe, dass sie ihre Bachelorarbeit von einem Ghostwriter habe schreiben lassen, habe er sich endgültig von ihr getrennt. Einige Tage später habe er sie in ihrem Zimmer im Studentenwohnheim, in dem auch er lebte, bei einem weiteren Suizidversuch aufgefunden. Durch sofortige Herzdruckmassage sei sie wieder zu sich gekommen.

Als die 28-Jährige von seiner neuen Liebesbeziehung zu der 24-jährigen Mitstudentin erfahren hatte, habe sie gedroht, dass sie ihnen die Zukunft zerstören werde. Am Tattag habe er sich darüber gewundert, dass seine Freundin nie auf seine Handy-Mitteilungen reagierte, sagte der Zeuge. Er habe dann stundenlang in der Universität nach ihr gesucht. Als er abends zu ihrer Wohnung fuhr, stand die Polizei vor dem Haus und teilte ihm mit, dass seine Freundin tot aufgefunden worden war. Die Beamten nahmen ihn zur Vernehmung mit und durchsuchten anschließend sein Wohnheimzimmer. Später habe er seine Ex-Freundin gefragt, ob sie das getan habe. Sie habe genickt. Dies habe ihm den Boden unter den Füßen weggezogen: „Ich konnte nicht glauben, dass meine Ex-Freundin meine Freundin getötet hat.“

Das Gericht hat für den Prozess insgesamt sieben Verhandlungstage bis Mitte Juni angesetzt.

Archivvideo:

Prozess um Eifersuchts-Drama in Göttingen

Rubriklistenbild: © Jelinek

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