Transplantationsskandal in der Göttinger Universitätsmedizin

Prozess: Ermittler berichten über Verdachtsfälle von Datenmanipulationen

Göttingen. Im Prozess um den Transplantationsskandal in der Göttinger Universitätsmedizin (UMG) haben am Dienstag zwei Polizeibeamte über ihre Ermittlungen zu zwei Lebertransplantationen berichtet.

Bei diesen soll es zu Manipulationen von Patientendaten gekommen sein.

In einem Fall ging es um eine Patientin, die im Sommer 2011 eine neue Leber bekommen hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Chirurgen vor, veranlasst zu haben, dass gefälschte Werte an die Organvergabestelle Eurotransplant übermittelt wurden.

Nach Angaben des Ermittlers gab es in dem Fall mehrfach Auffälligkeiten. So habe das Labor eine Blutprobe zur Auswertung erhalten, obwohl die Patientin an dem Tag gar nicht im Klinikum gewesen sei. Außerdem sei sie als dialysepflichtig gemeldet worden, es lägen aber keinerlei Dialyse-Abrechnungen vor. Auffällig sei auch gewesen, dass die Patientin trotz eines angeblich alarmierend hohen Blutgerinnungswertes nach Hause entlassen wurde.

Der zweite Patient der im Januar 2011 eine neue Leber bekommen hatte, war ebenfalls als dialysepflichtig gemeldet worden, ohne dass sich hierzu Unterlagen fanden. Stutzig machte es die Ermittler auch, dass der ausländische Patient unter der Adresse eines Assistenzarztes aus der Transplantationschirurgie gemeldet war.

Der Arzt habe ihm erklärt, dass er schon an seinem früheren Arbeitsplatz am Universitätsklinikum Regensburg seine private Adresse ausländischen Patienten zur Verfügung gestellt habe, berichtete der Polizist. Dies habe die Abrechnung erleichtern sollen. Auf dem Aufnahmebogen des Patienten sei nichts über eine geplante Operation vermerkt, vielmehr sei er zur Diagnostik eines Tumors angemeldet gewesen.

Einen Tag nach seiner Aufnahme bekam er eine neue Leber. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätte er nicht transplantiert werden dürfen, da eine Kontraindikation vorgelegen habe.

Der angeklagte Chirurg selbst äußerte sich am Dienstag zum Fall eines anderen Patienten, dem er im Mai 2010 eine Leber transplantiert hatte. Entgegen den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft sei die Transplantation notwendig gewesen, da der Patient sich in einem akut lebensbedrohlichen Zustand befunden habe und ohne Transplantation innerhalb von zwei Tagen verstorben wäre. (pid)

Rubriklistenbild: © dpa

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