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Überraschende Wendung nach Femizid in Göttingen: Mann gesteht Tötung von Ex-Freundin

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Von: Heidi Niemann

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Im Prozess um den Femizid in der Göttinger Wiesenstraße ist es zu einer abrupten Wendung gekommen. Der Angeklagte hat die Tat nun gestanden.

Göttingen/Hannover – In dem seit zwei Monaten laufenden Prozess um den gewaltsamen Tod einer 51-jährigen Frau in Göttingen hat es am Montag eine Überraschung gegeben. Bislang hatte der 44-jährige IT-Spezialist aus Hannover zu den Anklagevorwürfen geschwiegen.

Zu Beginn der Verhandlung verlas Verteidiger Philipp Kaiser eine Erklärung mit einem Geständnis seines Mandanten. Demzufolge räumt der Angeklagte ein, im August vergangenen Jahres seine Ex-Freundin in ihrer Wohnung in Göttingen getötet zu haben. Anschließend habe er versucht, Spuren zu verwischen und durch verschiedene Vorkehrungen am Tatort den Eindruck zu erwecken, dass sie eines natürlichen Todes gestorben sei.

44-jähriger Angeklagter gesteht Tötung von Ex-Freundin in Göttingen

Er habe dann noch mehrere Stunden lang verschiedene Aktivitäten an ihrem Computer unternommen und sei dann nach Hannover zurückgefahren. Am nächsten Tag sei er noch einmal zurückgekommen und habe erneut auf ihren Computer zugegriffen.

Die Wiesenstraße in Göttingen.
Die Wiesenstraße in Göttingen: In einem Haus an dieser Straße soll der 44-Jährige seine Ex-Freundin erwürgt haben. Nun gestand er die Tat. (Archivbild) © Stefan Rampfel

Als Motiv gab der Angeklagte an, dass er „sauer“ darüber gewesen sei, dass die 51-Jährige ihre Beziehung als beendet ansah. Er habe dagegen nach einem Treffen am Abend zuvor gedacht, dass ihre Beziehung doch noch zu retten sei. „Ich wollte so nicht mit mir umgehen lassen“, ließ er über seinen Verteidiger erklären. Die 51-Jährige habe mit seinen „Gefühlen gespielt“.

Ursprünglich seien sie in ihrer Beziehung, die im Dezember 2020 begonnen habe, sehr glücklich gewesen. Etwa vier Monate später habe sie ihm erzählt, dass sie eine HPV-Infektion habe und er sich möglicherweise auch angesteckt haben könnte. Er sei darüber schockiert gewesen und hätte sich gewünscht, dass sie dies vorher erzählt hatte. Dies sei für ihn kein Grund gewesen, die Beziehung in Frage zu stellen.

Per Fernzugriff auf Computer: 44-jähriger Angeklagter hatte Opfer ausspioniert

Nach Angaben des Angeklagten hatte sich danach die Beziehung verändert, seine Freundin sei distanzierter geworden. Er habe das Gefühl gehabt, dass sie einen anderen Mann hatte. Um Gewissheit zu bekommen, habe er möglichst viele Daten von ihrem Handy und Computer abrufen wollen.

Als er Ende Mai einen einwöchigen Urlaub bei ihr in Göttingen verbrachte, habe er die Chance genutzt: Er habe einen Fernzugriff auf ihren Router eingerichtet und sich so die Möglichkeit verschafft, ihren Computer auszuspionieren.

Er habe auch noch verschiedene andere technische Vorkehrungen getroffen, unter anderem an den von ihnen benutzten Handys, um Einblick in ihre privaten Daten und Nachrichten zu bekommen. Er habe aber keine Hinweise auf einen anderen Mann gefunden, so der Angeklagte.

Femizid in Göttingen: Angeklagter bereut Tat und will sich „Verantwortung stellen“

Seinen Angaben zufolge hatte sich die Beziehung dann wieder verbessert. Im Sommer verbrachten sie gemeinsam eine Woche an der Ostsee. Dies sei ein „Horrorurlaub“ gewesen, ohne körperliche Nähe und ohne „Romantik“.

Seine Freundin sei abweisend gewesen. Als sie ihn auf der Rückfahrt in Hannover absetzte, habe sie auf seine Frage, ob sie sich wiedersehen würden, gesagt: „Ja, aber nicht als Paar.“ Sie habe nur noch Freundschaft gewollt. Dies sei für ihn nicht in Betracht gekommen, weil seine „Gefühle „zu groß“ gewesen seien.

„Es tut mir unendlich leid, was ich getan habe“, ließ der Angeklagte über seinen Anwalt erklären. Er wolle nun „reinen Tisch machen“. Er trage für den Tod seiner Ex-Freundin die Verantwortung, „und dieser Verantwortung werde ich mich stellen“.

Der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz merkte anschließend an, dass die Kammer durchaus noch Fragen hätte, zum Beispiel, warum der Angeklagte am Vorabend der Tat sein dreistündiges Treffen mit der Ex-Freundin aufgezeichnet hatte und wie genau sich die Tat abgespielt hat. Seine Verteidiger erklärten jedoch, dass der Angeklagte keine weiteren Fragen beantworten werde. (Heidi Niemann)

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