Gewalttat

Prozess gegen Rechtsextreme in Mühlhausen: Nebenklage sieht schwere Ermittlungsfehler

Prozess gegen Rechte: Am Landgericht Mühlhausen läuft der Prozess gegen zwei Männer aus der rechten Szene, die 2018 bei Fretterode zwei Journalisten angegriffen und verletzt haben sollen. Der Göttinger Sven Adam ist Vertreter der Nebenklage.
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Prozess gegen Rechte: Am Landgericht Mühlhausen läuft der Prozess gegen zwei Männer aus der rechten Szene, die 2018 bei Fretterode zwei Journalisten angegriffen und verletzt haben sollen. Der Göttinger Sven Adam ist Vertreter der Nebenklage.

Im Prozess gegen zwei mutmaßlich rechtsextreme Schläger am Landgericht Mühlhausen werfen Vertreter der Nebenlage und die Opferberatung „ezra“ der Polizei schwere Ermittlungsfehler vor.

Erfurt/Mühlhausen/Göttingen – Mehr noch: Nebenklage-Anwalt Sven Adam spricht fassungslos von einer „Schlamperei“ bei den Ermittlungen, „die ich so noch nie erlebt habe“. Glücklicherweise sei die Staatsanwaltschaft am Landgericht Mühlhausen korrekt, stringent und zielstrebig im Vorgehen – möglicherweise werde es auch noch einen Ortstermin der Kammer bei Fretterode geben. Dort war es bereits im April 2018 (!) zu einem brutalen Angriff auf zwei Göttinger Journalisten gekommen.

Die Journalisten waren bei Recherchen im Wohnumfeld des NPD-Funktionärs Thorsten Heise (früher Northeim) von den Tätern mit Schraubenschlüssel und Messer angegriffen und mit dem Auto verfolgt worden. Beide Opfer hätten erhebliche Verletzungen davongetragen. Die 22 und 27 Jahre alten Angeklagten werden der rechten Szene zugeordnet. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen wirft ihnen Sachbeschädigung, gefährliche Körperverletzung und schweren Raub vor.

Fretterode liegt im Landkreis Eichsfeld, nahe der Grenze zu Hessen und Niedersachsen.

Die Polizei hätte bei den Ermittlungen gravierende Fehler gemacht, sagte Sven Adam gegenüber unserer Zeitung. So hätten es die observierenden Beamten zugelassen, dass aus dem Täterfahrzeug diverse Personen über Stunden etliche Gegenstände entnehmen und hineinlegen konnten, kritisierte der Göttinger Nebenklage-Anwalt Sven Adam. Auch das Grundstück, auf dem der Wagen stand, sei nicht adäquat durchsucht worden.

Unterstützung findet Adams Bewertung auch durch die „ezra“-Beraterin Theresa Lauß. Sie sagt, die Aussagen der Beamten vor Gericht machten deutlich, dass die polizeilichen Ermittlungen unmittelbar nach der Tat von Fehlern durchsetzt gewesen seien. Nach der Verschleppung des Verfahrens bereits vor Beginn des Prozesses Anfang September zeige sich nun das „inkonsequente Handeln der Behörden in jedem Stadium“, sagte sie. Sven Adam untermauert diese Aussage. Theresa Lauß störte sich auch an „Pausengesprächen“ zwischen den Polizisten und einem rechten Szeneanwalt, der einen der Angeklagten verteidige.

„ezra“ arbeitet übrigens in Trägerschaft der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Seit April 2011 unterstützt die Beratungsstelle Menschen, die angegriffen wurden, weil Täter oder Täterinnen sie einer von ihnen abgelehnten Personengruppe zuordneten.

Einer der beiden Journalisten, die vor mehr als drei Jahren im Westen Thüringens angegriffen worden waren, hatte vor dem Landgericht seine Angst während des Überfalls geschildert. Die beiden Angeklagten hätten ihn und seinen Kollegen völlig unvermittelt überfallen und schließlich schwer verletzt, sagte der 29-Jährige bei der Fortsetzung des Prozesses vor dem Landgericht Mühlhausen. Nach dem Ende der Konfrontation, als er auf die Polizei und den Rettungsdienst gewartet hätte, habe er noch minutenlang große Angst gehabt, „dass die beiden zurückkommen und das zu Ende bringen“.  (Thomas Kopietz mit epd)

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