Prozess vor dem Landgericht Göttingen

Attacke mit Baseballschläger: Gewaltopfer sitzt im Rollstuhl

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Göttingen/Seulingen. Der Prozess wegen einer folgenschweren Gewaltattacke auf einen Nachbarn in Seulingen wurde am Montag vor dem Landgericht Göttingen fortgesetzt.

Vor knapp eineinhalb Jahren konnte der 71-jährige Rentner noch normal sprechen, gehen, Auto fahren, sich waschen und anziehen. Jetzt sitzt er im Rollstuhl, ist ein Pflegefall und soll an diesem Montag als Zeuge vor dem Landgericht aussagen, was in der Nacht zum 1. September 2013 in dem Dorf Seulingen passiert ist. In dieser Nacht sollen zwei 27 und 31 Jahre alte Dorfbewohner sein Haus mit Feuerwerkskörpern beworfen haben. Als er heraustrat, sollen die beiden Cousins ihn so heftig mit Baseballschlägern traktiert haben, dass er stürzte und einen Schädeltrümmerbruch und Hirnblutungen erlitt. Warum die Nachbarn ihn damals attackiert haben, weiß er nicht. Er kannte sie nicht einmal.

Die Staatsanwaltschaft hat den 31-Jährigen wegen versuchten Totschlages und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sein 27-jähriger Cousin muss sich zudem wegen Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten. Ihr mutmaßliches Opfer konnte am Montag nur wenig zur Aufklärung der Tat beitragen. Der 71-Jährige kann sich als Folge seiner schweren Hirnverletzungen nur schwer verständlich machen und hat keine Erinnerung an die Tatnacht.

Vor seiner Vernehmung hatten die beiden Angeklagten in einer von ihren Verteidigern verlesenen Erklärung gestanden, den 71-Jährigen angegriffen zu haben. Der Hintergrund der Gewaltattacke blieb allerdings nebulös.

Der 71-Jährige war erst etwa ein Jahr zuvor mit seiner Familie in das Dorf gezogen. Nach einigen Monaten kam es offenbar zu Konflikten zwischen einheimischen Dorfbewohnern und den Neuzugezogenen. Die Angeklagten gaben an, dass diese Konflikte an dem Abend auch Gesprächsthema bei einer Musikveranstaltung in einem Nachbardorf gewesen seien. Es habe Gerüchte gegeben, dass die Familie Waffen besitze und bei einer Schlägerei einen Totschläger eingesetzt habe. Sie selbst hätten von diesen Vorfällen nur gehört und seien auch nie mit der Familie in Kontakt gekommen. An dem Abend hätten sie den Plan gefasst, die Familie zu erschrecken.

Die Baseballschläger hätten sie mitgenommen, um die Söhne des 71-Jährigen von einem Angriff abzuhalten. Nachdem sie die Knallkörper geworfen hatten, seien plötzlich drei große Hunde auf sie losgestürmt. Der 71-jährige sei ebenfalls aus dem Haus gekommen. Als dieser versucht habe, dem 27-Jährigen den Baseballschläger zu entreißen, sei der 31-Jährige seinem Cousin zu Hilfe gekommen und habe ihm einen Schlag mit seinem Baseballschläger verpasst. Beide Angeklagten äußerten ihr Bedauern über die Tat. (pid)

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