Prozess um Einbruchsserie: Fahnder setzten verstecken GPS-Sender ein

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GPS-Sender für die Hosentasche: Die Fahnder hatten ein Gerät dieser Art an einem Auto befestigt und konnten so den Standort des Wagens ermitteln. Das half bei der Aufklärung des Falls.

Göttingen/Osterode. Im Prozess gegen vier mutmaßliche Einbrecher und Drogendealer einer Einbrecher- und Drogendealerbande aus Osterode hat das Landgericht Göttingen am Mittwoch den leitenden Ermittler als Zeugen vernommen.

Die Polizei hatte im Mai vergangenen Jahres eine spezielle Ermittlungsgruppe eingerichtet, nachdem sich die Einbrüche in Osterode gehäuft hatten. Erste konkrete Hinweise auf die Täter habe es nach einem versuchten Einbruch in eine Gaststätte gegeben, sagte der Beamte. Damals hätten Zeugen gesehen, wie die potentiellen Täter mit einem Brecheisen über einen Parkplatz gelaufen seien. Im Zuge der Ermittlungen gerieten dann vor allem zwei Objekte ins Visier der Polizei: Der Kiosk, der von dem 28-jährigen Angeklagten betrieben wurde, und der Pkw seines 55-jährigen Vaters.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kioskbetreiber und dessen Vater sowie zwei 19 und 33 Jahre alte Brüdern unter anderem schweren Bandendiebstahl, schweren Raub, gefährliche Körperverletzung sowie unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor. Sie sollen in mehrere Geschäfte in Osterode eingebrochen sein. Der 19-Jährige soll zudem zwei Spielhallen überfallen haben.

Die Polizei hatte die vier Männer im September bei einem Großeinsatz mit 80 Beamten festgenommen. Bei der Durchsuchung des Kiosks und mehrerer Wohnungen entdeckten sie nicht nur diverses Diebesgut, sondern auch mehrere Waffen sowie größere Mengen an Drogen und zwei Indoor-Plantagen mit etwa 100 erntereifen Cannabis-Pflanzen.

Richterlicher Beschluss

Die Ermittler hatten einen richterlichen Beschluss erwirkt, um den Kiosk mit Kameras überwachen zu können. Eine direkte Observation sei dort schlecht möglich, da dies schnell auffallen würde, sagte der Beamte. „Das können Sie in der Innenstadt von Osterode vergessen, nach zehn Minuten sind Sie verbrannt.“

Im Zuge der Ermittlungen fiel auf, dass der Vater des 28-Jährigen verdächtig oft mit seinem Pkw in Tatortnähe unterwegs war. Mit Hilfe eines versteckt installierten GPS-Senders stellten die Fahnder dann fest, dass der 55-Jährige häufig zwischen dem Kiosk in der Innenstadt und einem Haus in einem Ortsteil von Osterode pendelte. Eine mögliche Erklärung für diese Fahrten fand sich dann bei der Durchsuchung: Das betreffende Haus diente offensichtlich nicht nur als Bunker für das Diebesgut, sondern auch als Drogendepot. Vermutlich habe der Vater die Drogen von dort zum Kiosk transportiert, sagte der Ermittler.

Die Fahnder gingen bei der Durchsuchung ausgesprochen gründlich vor: Sie schnappten sich kurzerhand einen auf dem Grundstück abgestellten Minibagger und buddelten damit zwei Tresore aus, die die Täter bei den Einbrüchen entwendet und dort im Garten vergraben hatten. Der Prozess wird Mitte März fortgesetzt. (pid)

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