Gewaltsame Auseinandersetzung

Prozess in Göttingen um Messerstich in die Brust: Vier Wochen Arrest

Der Eingang zum Amtsgericht Göttingen
+
Der Eingang zum Amtsgericht Göttingen: Hier wurde der 21-Jährige verurteilt. (Symbolbild)

Eine gewaltsame nächtliche Auseinandersetzung am Göttinger Einkaufszentrum Carré hat jetzt ein strafrechtliches Nachspiel gefunden. Das Amtsgericht Göttingen verurteilte am Mittwoch einen 21-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung zu vier Wochen Dauerarrest.

Göttingen – Das Jugendschöffengericht befand den Heranwachsenden für schuldig, im September 2019 einem gleichaltrigen Auszubildenden unvermittelt mit einem Messer in die Brust gestochen zu haben. Das Opfer erlitt eine 2,5 Zentimeter tiefe Stichwunde unweit des Herzens. Der Stich sei potenziell geeignet gewesen, tödlich zu enden, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Scherrer. „Es war reines Glück, dass nicht schwerere Verletzungen entstanden sind.“

Das Gericht verurteilte den Angeklagten außerdem zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Außerdem bekam der gebürtige Iraker die Weisung, an einem weiterführenden Deutschkurs teilzunehmen. Ferner müsse er dem Attackierten, der in dem Verfahren als Nebenkläger fungiert, ein Schmerzensgeld von 3000 Euro zahlen und ihm sämtliche Schäden entsetzen, die in Zukunft infolge der Körperverletzung entstehen.

Mit seinem Urteil ging das Gericht über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die den Angeklagten lediglich zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verpflichten wollte.

Die Verteidigung hatte sich diesem Antrag angeschlossen. Der Vertreter der Nebenklage plädierte dagegen auf eine zehnmonatige Jugendstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Als Auflage sollte der Angeklagte 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Der Angeklagte räumte zu Beginn des Prozesses die Tat ein. Er habe das Messer gezogen und den Nebenkläger verletzt, aber nie die Absicht gehabt, jemanden zu töten. „Tut mir echt leid, was passiert ist“, sagte er. Zur Tatzeit sei er angetrunken gewesen. Die Polizei hatte den 21-Jährigen kurz nach der Tat festgenommen. Ein Alkoholtest ergab einen Wert von 1,54 Promille.

Der Nebenkläger war an dem Abend gemeinsam mit Freunden in der Innenstadt unterwegs gewesen. Einer von ihnen habe kein Bargeld dabeigehabt und sei deswegen zur Sparkasse gegangen, berichtete er.

Er habe dann gemeinsam mit einer Freundin am Carré auf ihn gewartet. Während er sich auf eine Bank setzte, habe seine Begleiterin an einer Ecke gestanden. Wenig später habe er bemerkt, dass zwei Männer, darunter der Angeklagte, sie ansprachen und anfingen, sie zu berühren. Diese habe dann sehr lautstark gesagt, dass sie das nicht möchte.

Er sei dann aufgestanden und habe den Männern gesagt, dass sie die Frau in Ruhe lassen sollten. Daraufhin seien diese auf ihn zugegangen. Es habe sich dann eine Schubserei und ein Handgemenge entwickelt, auf einmal sei der Angeklagte weggelaufen.

Er habe erst gar nicht richtig realisiert, was passiert war, und sei diesem noch hinterhergelaufen. Erst als sein Freund darauf hinwies, dass er angestochen sei, habe er bemerkt, dass sich sein T-Shirt rot gefärbt hatte.

Von Heidi Niemann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.