Ware wurde nie geliefert - mutmaßliche Betrüger erbeuteten 170.000 Euro

Prozess um Internet-Betrug in Göttingen: Mit Schummel-Shops zum großen Geld

+
Abzocke im Internet: Mit Schummel-Shops versuchen Betrüger immer wieder, an das Geld von Opfern zu kommen. 

Göttingen. Mit Schummel-Shops im Internet haben zwei mutmaßliche Betrüger fast 170.000 Euro erbeutet. Am Mittwoch begann gegen die beiden 26-jährigen Männer der Prozess vor dem Landgericht Göttingen.

Gleich zu Beginn war eine Absprache zwischen Strafkammer, Verteidigung und Staatsanwaltschaft getroffen worden. Für umfassende Geständnisse sagte das Gericht für einen Angeklagten eine Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren sowie für den zweiten Angeklagten von maximal zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden soll, zu.

Die Masche des Berliner Duos, denen Beamte der Göttinger Polizeidirektion auf die Spur gekommen waren, funktionierte so: Einer der beiden hatte zwischen November 2012 und April 2015 fast zwei Dutzend falsche Online-Shops ins Internet gestellt, über die er hochwertige Kaffeevollautomaten, Mobiltelefone, Tablet-PC und Motorräder zu unschlagbar günstigen Preisen anbot. Die Käufer zahlten per Vorkasse, die Ware wurde aber nie geliefert.

Hoher Schaden

Folge war der hohe finanzielle Schaden. Das gab der Berliner in seinem Geständnis zu. Über eine Fernsehsendung, in der es um Internet-Betrug ging, war er auf diese Möglichkeit zum schnellen Geldverdienen aufmerksam geworden. Das Geld brauchte er fürs Glücksspiel, denn er ist laut Aussage eines Psychiaters spielsüchtig.

Sein 26-jähriger Komplize stieg nach einiger Zeit in das Geschäft ein. Laut seinem Geständnis vor Gericht war er für Geldabhebungen an Automaten und auch für die Beschaffung von Konten verantwortlich, auf die die Kunden der Mogel-Shops ihr Geld überwiesen haben. Dafür erhielt er einen Anteil von zehn beziehungsweise 25 Prozent von der Beute, wenn er ein Konto besorgte.

Der Prozess wird am Freitag, 7. Oktober, fortgesetzt. Dann soll auch das Urteil fallen. 

Beharrliche Ermittler im Netz

Der Prozess um Internetbetrug mit Mogel-Shops vor dem Landgericht wirft ein Schlaglicht auf Ermittler im Verborgenen. Beamte aus Südniedersachsen sind den Tätern im Netz auf der Spur.

Auf das Berliner Duo wurden die Polizisten aus Südniedersachsen durch ein anderes Verfahren wegen Schummel-Shops im Internet aufmerksam. Ein Beschuldigter hatte den Hinweis gegeben, dass er mit einem anderen Aktiven aus der Szene Kontakt habe, berichtete ein Beamter am Mittwoch vor Gericht.

Was dann folgte, war hartnäckige Detektivarbeit. Immer wieder bekam die Polizei Hinweise auf Shop-Aktivitäten. Allerdings war es ziemlich schwierig, an die Hintermänner zu kommen, weil sie aus Internetcafés oder mit Verschlüsselung ins Internet gingen. Schließlich hatten die Beamten Erfolg und machten die beiden Berliner ausfindig.

Die Namen der Schummel-Shops waren im aktuellen Fall ziemlich kreativ gewählt: Mit Phantasienamen wie www.buycafe.de, www.fotoflex24.de oder www.bigleo.de fischten sie nach ahnungslosen Opfern, die im Internet nach Schnäppchen auf der Suche waren. Außerdem wurde von einem der Angeklagten darauf geachtet, dass die Shops möglichst oben auf der Trefferliste bei der Internetsuche auftauchten, um die Chancen für den möglichen Betrug zu erhöhen.

Verbraucherzentrale warnt

Mit dem Thema Mogel-Shops muss sich auch immer wieder die Verbraucherzentrale Göttingen befassen. Sie rät insbesondere dann zur erhöhten Vorsicht, wenn bei einem Internet-Shop ausschließlich Vorkasse, Direktüberweisung oder Nachnahme übrig sind. Weitere Infos gibt es im Internet.

Kontakt: Verbraucherzentrale Niedersachsen, Jüdenstraße 3, 37073 Göttingen, Tel. 05 51/5 70 94.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.