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Prozess nach brutaler Gewaltattacke am Göttinger Carré: Sieben Männer vor Gericht

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Von: Heidi Niemann

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Das Tatort: Die Attacke ereignete sich an einer Haltestelle am Einkaufszentrum Carré.
Das Tatort: Die Attacke ereignete sich an einer Haltestelle am Einkaufszentrum Carré. © Heidi Niemann

Sieben junge Männer müssen sich wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung vor dem Göttinger Amtsgericht verantworten.

Göttingen – Eine brutale Gewaltattacke einer Gruppe von jungen Männern an der Bushaltestelle vor dem Göttinger Einkaufszentrum Carré bekommt jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Sieben Angeklagte im Alter zwischen 15 und 21 Jahren müssen sich seit dieser Woche wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, Ende Juni vergangenen Jahres einen 36-Jährigen beim Aussteigen aus dem Bus abgefangen und mit Faustschlägen attackiert zu haben. Laut Anklage soll einer von ihnen dem Studenten mit einem schlagstockähnlichen Gegenstand gegen den Kopf geschlagen haben, so dass dieser für kurze Zeit das Bewusstsein verlor und zu Boden ging.

Alle Angeklagten – zwei von ihnen haben die serbische, die übrigen die deutsche Staatsangehörigkeit – hätten dann gemeinsam auf das Opfer eingetreten. Anschließend seien sie geflüchtet.

Brutale Gewaltattacke in Göttingen: Verdacht auf versuchten Totschlag

Der 36-Jährige erlitt durch die brutalen Schläge und Tritte unter anderem großflächige Hämatome am Kopf und am Oberkörper sowie einen Nasenbeinbruch.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätte die Attacke auch deutlich schlimmere Folgen haben können, deshalb hatte sie zunächst auch wegen des Verdachts des versuchten Totschlags ermittelt. Lebensgefährliche Verletzungen seien nur zufällig ausgeblieben, heißt es in der Anklage.

Anlass für die Gewaltattacke war den Ermittlungen zufolge gewesen, dass der 36-Jährige kurz vorher Zivilcourage gezeigt hatte: Als er abends am Schwimmbad an der Eiswiese auf den Bus wartete, wurde er auf ein Gerangel und Geschubse in einer Vierergruppe von jungen Leuten aufmerksam.

Da er Sorge hatte, dass die beiden männlichen Jugendlichen gegenüber den beiden Mädchen gewalttätig werden könnten, versuchte er schlichtend einzugreifen. Daraufhin bekam er von Seiten der männlichen Jugendlichen zu hören, dass er sich nicht einmischen solle.

Jugendliche Täter telefonieren Mittäter für Schlägerei herbei

Als der 36-Jährige in den Bus stieg, um mit der Linie 92 in die Innenstadt zu fahren, sollen ihm die beiden 15 Jahre alten Jugendlichen gefolgt sein, Während der Fahrt soll einer von ihnen mit seinem Handy die anderen Angeklagten herbeitelefoniert haben. Er habe mit ihnen verabredet, gemeinsam den 36-Jährigen anzugreifen, heißt es in der Anklage.

Als der Student um kurz vor 23 Uhr an der Endhaltestelle am Carré ausstieg, sollen dort fünf junge Männer, von denen einige im nahegelegenen Iduna-Zentrum wohnen, unmittelbar auf ihn losgegangen sein und auf ihn eingeschlagen und eingetreten haben.

Der Prozess findet im Bürgerhaus Bovenden statt, weil es im Göttinger Gerichtsgebäude keinen ausreichend großen Saal gibt, in dem alle Verfahrensbeteiligten hätten Platz finden können. An der Verhandlung nehmen neben mehr als 20 Personen teil.

Neben den drei Mitgliedern des Jugendschöffengerichts sind es die sieben Angeklagten mit ihren jeweiligen Verteidigern, der Vertreter der Staatsanwaltschaft, der als Nebenkläger auftretende 36-jährige Geschädigte mit seinem Anwalt und eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe.

Die sieben Verteidiger erklärten zu Prozessbeginn, dass ihre Mandanten keine Angaben zur Sache machen werden. Derzeit sind Verhandlungstermine bis Ende Juni festgesetzt. (pid)

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