Prozess um Quecksilber-Anschläge: Leiden kam schleichend

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Angeklagt: Dem 44-Jährigen Mann wird vorgeworden, seine Ex-Frau gezielt giftigen Schwermetallen ausgesetzt zu haben.

Göttingen. In dem Prozess um die Giftanschläge eines Mannes hat am Freitag die Ex-Frau des Angeklagten vor dem Landgericht ihre Leidensgeschichte geschildert.

Während der Vernehmung brach die 39-Jährige, die in Folge der Blei- und Quecksilbervergiftung erhebliche gesundheitliche Schäden davongetragen hat, wiederholt in Tränen aus. Die sichtlich abgemagerte Frau schilderte, wie es ihr 2014 plötzlich immer schlechter ging. Trotz mehrerer Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte gelang es den Ärzten monatelang nicht, die Ursache dafür herauszufinden.

Als sie fast nur noch Haut und Knochen war, kam ihrem Hausarzt der Verdacht, dass es sich um eine Vergiftung handeln könnte, was ein Bluttest bestätigte: „Ich hatte einen wahnsinnig hohen Blei-Wert.“

Sie habe zunächst keine Erklärung dafür gehabt, wie das Blei in ihren Körper gelangt sein könnte, sagte die Betriebswirtin, die in der Immobilienbranche tätig ist. Sie habe zwar gewusst, dass ihr Ehemann, von dem sie sich zuvor getrennt hatte, öfter mit Munition und Bleikugeln herumgebastelt habe. Dass er hinter ihrer Krankheit stecken könnte, habe sie jedoch nicht wahr haben wollen.

Anfang Mai 2014 hatte sie dem heute 44-Jährigen ihren Entschluss mitgeteilt, sich nach sieben Jahren Ehe von ihm trennen zu wollen.

Da die Trennung in geordneten Bahnen ablaufen sollte, hätten sie zunächst noch weiter im gemeinsamen Haus gewohnt. Ihr Mann habe dann öfter für sie gekocht, was er früher nie getan habe, und ihr ein Glas Wein gebracht.

Als sich erste Krankheitssymptome einstellten, habe er ein spezielles Salz mitgebracht, weil dies besonders gut für sie sei. „Das sollte ich immer nehmen“, berichtete die 39-Jährige. Damals habe sie in ihrem Tagebuch notiert: „Komisch, jetzt kocht er auch noch, als wenn er mir was untermischen will.“

Sie litt an Gliederschmerzen, war ständig müde, musste sich oft übergeben und wurde von Magen- und Darmkrämpfen gepeinigt. Die Beschwerden wurden so stark, dass sie mehrfach in Kliniken war. Die Ärzte diagnostizierten eine Gebärmutterentzündung, doch die Schmerzen hörten nicht auf. „Die haben alles auf die Psycho-Schiene geschoben.“ Abgemagert und geschwächt kehrte sie von einem Reha-Aufenthalt zurück.

Ihr Mann war ausgezogen, hatte aber die Schlüssel nicht abgegeben. Ende Oktober machte sie eine Entdeckung: Beim Aufbacken von Brötchen fielen ihr glitzernde Kügelchen im Backofen auf. Später bemerkte sie: Auch der Toaster war voller Quecksilber.

Als sich zudem in ihrem Auto glitzernden Kügelchen fanden, verständigte sie die Polizei. Die Beamten empfahlen, weder Auto noch Haus zu benutzen, weil alles kontaminiert sei.

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