Urteil soll noch vor Weihnachten fallen

Prozess um versuchten Totschlag: Staatsanwältin fordert acht Jahre Haft

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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier soll in der kommenden Wochenende das Urteil fallen.

Im Prozess um einen versuchten Totschlag und andere Gewaltdelikte eines 29-jährigen Mannes aus Osterode hat die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht Göttingen eine Freiheitsstrafe von acht Jahren beantragt.

Außerdem plädierte sie dafür, die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anzuordnen. Der Angeklagte habe sich der vierfachen Körperverletzung und des versuchten Totschlags schuldig gemacht, sagte die Staatsanwältin. Er habe mit einer unbeschreiblichen Heftigkeit und Brutalität drei ihm körperlich unterlegene Frauen in Angst und Schrecken versetzt und am Ende seines Gewaltausbruchs mit einem Messer auf die Schwester seiner Freundin eingestochen und so schwer verletzt, dass sie nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Die Nebenkläger schlossen sich den Anträgen an. Der Verteidiger plädierte dagegen auf eine niedrige Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Die Staatsanwältin beschrieb in ihrem Plädoyer das Horrorszenario, das sich im Dezember 2017 abgespielt hatte. Der alkoholisierte Angeklagte hatte seine Freundin beschuldigt, ihn zu betrügen, und sie vor den Augen ihres Kindes gewürgt. Er sei völlig außer sich gewesen und habe immer wieder „Ich bringe dich um“ und „Ich bringe euch um“ geschrien. „Er war durch niemanden und nichts zu beruhigen“, sagte die Staatsanwältin. Er habe die Mutter mit drei Faustschlägen attackiert und mehrfach ihren Kopf gegen die Wand geknallt. Er habe seine Freundin so getreten, dass sie die Treppe hinunterstürzte und gegen die Wand prallte. Er habe dann mit den Worten „Ich stech dich ab“ versucht, sie wieder in die Wohnung zu zerren. Die Freundin habe sich voller Angst so heftig an ihre Mutter geklammert, dass sie ihr dabei ein Büschel Haare ausriss.

Nachdem es den Frauen schließlich gelungen war, mitsamt dem Kind das Haus zu verlassen, habe der Angeklagte sie weiter verfolgt und mit dem Messer das Kind am Bein verletzt. Nachdem der 29-Jährige zu Fall gekommen sei, habe ihn die Schwester seiner Freundin getreten, um ihn von weiteren Angriffen abzuhalten. Daraufhin sei er mit den Worten „Jetzt bist du dran“ aufgesprungen und habe ihr mit einer heftig ausholenden Bewegung mit einem Messer in den Oberbauch gestochen. Danach habe er das Messer herausgezogen, sei ins Haus gegangen, habe sich angezogen und durch eine Kellertür das Haus verlassen.

Thema Steuerungsfähigkeit

Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte dem Angeklagten eine deutlich verminderte Steuerungsfähigkeit attestiert. In vielen Fällen wirkt sich dies strafmindernd aus. In diesem Fall sei eine Reduzierung des Strafmaßes jedoch völlig verfehlt, meinte die Staatsanwältin.

Das Gericht will sein Urteil in der kommenden Woche verkünden.

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