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Prozess wegen Tötung einer 51-Jährigen aus Göttingen: Verteidigung plädiert auf Totschlag

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Von: Heidi Niemann

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Landgericht Göttingen
Im Prozess um die gewaltsame Tötung einer 51-jährigen Frau in Göttingen haben am Mittwoch die Vertreter der Nebenklage und der Verteidigung ihre Plädoyers gehalten. © Hubert Jelinek

Im Prozess um die gewaltsame Tötung einer 51-jährigen Frau in Göttingen haben am Mittwoch die Vertreter der Nebenklage und der Verteidigung ihre Plädoyers gehalten.

Göttingen – Nebenklagevertreter Steffen Hörning schloss sich im Wesentlichen dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an, die beantragt hatte den angeklagten 44-jährigen IT-Techniker aus Hannover wegen eines aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen begangenen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen.

Prozess wegen Tötung 51-jähriger Frau: Sohn des Opfers erwartet Höchststrafe

In dem Prozess sind drei Angehörige der Getöteten als Nebenkläger zugelassen, darunter auch ihr 18-jähriger Sohn, der noch am Dienstag als Zeuge vernommen worden war. Er habe ein sehr gutes Verhältnis zu seiner Mutter gehabt. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, was er von dem Verfahren erwarte, sagte er: „Ich erwarte die höchstmögliche Strafe, die es in Deutschland gibt.“

Nach Ansicht von Opferanwalt Steffen Hörning hat der Angeklagte die Mutter des Jugendlichen getötet, weil er es nicht ertragen konnte, dass diese sich von ihm abwenden wollte.

„Wenn alle so reagieren würden wie Sie, wären die Straßen gepflastert von toten Frauen.“

Opferanwalt Steffen Hörning zum Angeklagten

Die 51-Jährige sei somit Opfer eines Femizids geworden. Der Angeklagte habe sie bestraft für etwas, was das Selbstverständlichste der Welt sein sollte: Dass eine Frau in freier Selbstbestimmung darüber entscheidet, ob sie eine Beziehung fortsetzen oder sich trennen will. „Diese Entscheidung hätten Sie verdammt noch mal akzeptieren müssen“, sagte Hörning zum Angeklagten.

Stattdessen habe der Mann, weil er sich in seiner Ehre gekränkt gefühlt habe, die Frau getötet. „Mich verlässt man nicht!“ – das sei die Botschaft und Denkweise, die dahinter stecke. Hörning zieht daraus den Schluss, dass der Angeklagte aus niedrigen Beweggründen gehandelt habe: „Wenn alle so reagieren würden wie Sie, wären die Straßen gepflastert von toten Frauen.“

Forderung des Opferanwalts: Lebenslange Freiheitsstrafe und besondere Schwere der Schuld

Die 51-Jährige habe in allen Menschen nur das Gute gesehen und mit niemandem Streit haben wollen, sagte Hörning. Sie hätte daher auch nie damit gerechnet, „dass Sie plötzlich auf sie zuspringen, an die Kehle packen und sie erwürgen“.

Die 51-Jährige sei zur Tatzeit arg- und wehrlos gewesen, somit sei auch das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. Seine Forderung, neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe auch noch die besondere Schwere der Schuld festzustellen, begründete Hörning mit der „Täterpersönlichkeit“.

Der Angeklagte sei über Monate hinweg bestrebt gewesen, seine Partnerin zu kontrollieren und ihr hinterher zu spionieren.

Verteidiger: Es gebe keine gesicherten Erkenntnisse über den Tatablauf

Verteidiger Pascal Ackermann verwies dagegen darauf, dass es keine gesicherten Erkenntnisse über den Tatablauf gebe, nur die Einlassung seines Mandanten. Auch aus den Daten der Sportuhren des Angeklagten und des Opfers, ließen sich keine Rückschlüsse ziehen.

In dem Prozess hatte sich das Gericht auch mit den von den Uhren gespeicherten Herzfrequenz- und Bewegungsdaten beschäftigt. Die Messwerte seien nicht ansatzweise verwertbar, sagte der Verteidiger. „Wir können nicht wegen Garmin-Daten jemanden wegen Mordes ins Gefängnis schicken.“

Prozess wegen Tötung 51-jähriger Frau: Angeklagter habe die Tat eingeräumt

Ackermann nannte die Tat „ein schreckliches Verbrechen“. Da indes weder das Mordmerkmal der Heimtücke noch der niedrigen Beweggründe erfüllt seien, sei die Tat als Totschlag zu werten mit einem Strafmaß unter zehn Jahren.

Der Verteidiger verwies zugunsten seines Mandanten darauf, dass er die Tat eingeräumt habe und vorher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sei. Der Angeklagte selbst erklärte in seinem Schlusswort, dass ihm die Tat „unendlich leid“ tue. Er übernehme dafür die volle Verantwortung und werde ein Leben lang mit der Schuld leben müssen. (Heidi Niemann)

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