Organskandal-Prozess

Transplantationsmediziner spricht über seine Arbeit und das System

Göttingen. Vor dem Göttinger Landgericht ist der Prozess gegen den ehemaligen Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin Dr. O. in die zweite Runde gegangen und wurde mit der der Vernehmung des Angeklagten fortgesetzt.

Dabei überraschte der Transplantationschirurg mit der Aussage, dass es für

Aktualisiert um 11.40 Uhr.

Menschen, die auf der Eurotransplant-Organempfänger-Liste aufgeführt sind, generell keine Unterversorgung an Leber-Organen herrsche.

„Es gibt keinen Organmangel“, sagte O. und erläuterte, dass bei einem hohen Meld-Score, der den Rangplatz auf der Liste und somit die Reihenfolge von Organangeboten für Patienten bestimmt, genügend Lebern vorhanden sind. Er als Chirurg könne dann ruhigen Gewissens ein nicht optimal passendes Organ für einen Patienten ablehnen. „Da kann ich mich zurücklehnen, weil das nächste Organ schnell angeboten wird.“ Bei unten gelisteten Patienten gäbe es zu wenig Organe, aber generell gelte die Aussage, dass für gelistete Kranke kein Spender-

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Leber-Mangel vorhanden sei.

O. schilderte auch, welche „weichen“ Kriterien bei der Entscheidung für oder gegen eine Spenderleber und die Transplantation eine Rolle spiele: Letztlich könne die Qualität abschließend bestimmt werden, wenn er die Leber in die Hand nehmen und fühlen könne. „Ich kann fühlen, ob eine Leber akzeptabel ist.“

Wie auch andere Transplantationschirurgen bereits in der Öffentlichkeit gesagt hatten, sprach nun auch O. vor Gericht davon, dass letztlich nur der Operateur entscheiden könne, ob man im Falle einer Lebertransplantation ein Organ annimmt, es verweigert und sich dazu entscheidet noch abzuwarten. Wenn er gewartet habe, dann in der Gewissheit, „es kommt ein neues, besseres Organ“.

In Göttingen sei im Übrigen versucht worden, keine Nacht-Operationen vorzunehmen, obwohl sie nicht ausgeschlossen wurden. Grund: Studien sagten aus, dass die Erfolgsquote bei nachts vorgenommenen Lebertransplantationen geringer ist, als bei am Tag ausgeführten Operationen. In der UMG wären zudem nachts leitende Fachärzte nicht im Dienst, so dass nicht die Top-Experten vor Ort seien. Das könne Einfluss auf die Erfolgsquote haben, sagte O.

Bilder vom Prozessauftakt

Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen

Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek

Auf Frage des vorsitzenden Richters Rolf Günther schilderte O. den Ablauf der Transplantationskonferenzen in der UMG. Dort seien nicht alle Einzelheiten und die Diskussionsbeiträge protokolliert worden.

Deutlich wurde in der Befragung, dass die Universitätsmedizin mit dem Aufbau einer erfolgreichen Lebertransplantationsmedizin ihr Image stärken wollte. Das ging aus Protokollen in der Personalakte und Äußerungen des damaligen UMG-Finanzvorstands Barbara Schulte hervor. Nicht die Zahlen allein, aber eine gut arbeitende, forschende Transplantationsabteilung seien gut für eine Klinik, sagte O. dazu.

Von Thomas Kopietz

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