45-Jähriger steht vor Gericht

Prozess um Drogenhandel in Göttingen: Fahnder knackten verschlüsselte Chats

Das Landgericht Göttingen: Dort muss sich der 45-Jährige verantworten.
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Das Landgericht Göttingen: Dort muss sich der 45-Jährige verantworten.

Fahnder haben verschlüsselte Handy-Chats von mutmaßlichen Straftätern geknackt. Deshalb muss sich jetzt ein 45-jährigen Mann vor dem Landgericht Göttingen wegen Drogenhandels verantworten.

Göttingen – Für Kriminelle waren die Smartphones des Anbieters EncroChat eine Zeitlang das perfekte Kommunikationsmittel: Auf den so genannten Krypto-Handys waren verschlüsselte Messenger-Programme installiert, so dass die versandten Nachrichten nicht auslesbar waren.

Die Nutzer konnten so ungestört kommunizieren und der Polizei ein Schnäppchen schlagen. Vor allem Kunden aus dem Bereich der Rauschgiftkriminalität nutzten die Mobiltelefone, um ihre Drogengeschäfte abzuwickeln. Ein einstiger EncroChat-Nutzer muss sich derzeit vor dem Landgericht Göttingen verantworten: Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45-jährigen Göttinger unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Verstoß gegen das Waffengesetz vor.

Der Angeklagte war ebenso wie mehrere tausend andere Nutzer der Krypto-Handys durch einen spektakulären Ermittlungserfolg ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten. Französischen Ermittlern war es gelungen, in das EncroChat-Netzwerk einzudringen und umfassende Chat-Verläufe der Nutzer zu sichern.

Ein Ermittlungsverfahren richtete sich gegen den 45-jährigen Mann aus Göttingen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ergibt sich aus den Chat-Verläufen, dass dieser zwischen April und Juni 2020 große Mengen Drogen gekauft und weiterverkauft hat. Danach endete die Chat-Kommunikation, weil EncroChat inzwischen auf den Hackerangriff der Fahnder aufmerksam geworden war und seine Nutzer gewarnt hatte. Doch auch später hatten die Ermittler den 45-Jährigen weiter im Visier, diesmal mit den „klassischen“ Mitteln der Observation und der Telefonüberwachung.

Anfang März dieses Jahres bekamen die Fahnder mit, dass der 45-Jährige offenbar eine Rauschgiftlieferung bekommen hatte, die er in einem Haus im Stadtteil Leineberg deponierte.

Der Angeklagte hat in dem Prozess die Vorwürfe im Wesentlichen eingeräumt. Seinen Angaben zufolge ist er selbst betäubungsmittelabhängig. Er sei ins Drogengeschäft eingestiegen, nachdem er an Pokerturnieren teilgenommen und dabei erhebliche Spielschulden angehäuft habe. Das Gericht will sein Urteil in der kommenden Woche verkünden. (Heidi Niemann)

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