Fahnder benötigten Spezialprogramm

Prozess um fingierte Unfälle: Infos aus unterschiedlichen Quellen

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Landgericht Göttingen: Hier hat der Prozess gegen den 66-Jährigen in dieser Woche begonnen. 

Im Prozess um eine Betrugsserie mit Hilfe von fingierten Verkehrsunfällen hat das Landgericht Göttingen am Mittwoch einen der leitenden Ermittler als Zeugen vernommen. 

In dem Prozess muss sich ein 66-jähriger Mann aus Göttingen wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betruges in 15 Fällen verantworten. Insgesamt zahlten die Haftpflichtversicherungen rund 360 000 Euro.

Die Polizei war dem mutmaßlichen Versicherungsbetrug erst auf Umwegen auf die Spur gekommen. Die für Geldwäsche-Delikte zuständige Zentrale Kriminalinspektion Hildesheim hatte nach einer Verdachtsanzeige eines Geldinstituts zwei Schließfächer durchsucht, die dem Angeklagten sowie einer seiner Töchter gehören sollen. Die Fahnder entdeckten neben 200 000 Euro Bargeld auch zahlreiche Fahrzeugbriefe, Autoschlüssel und Kfz-Reparaturrechnungen. Während die Hildesheimer Ermittler weiter dem Geldwäsche-Verdacht nachgingen, versuchten die Ermittler der Göttinger Polizei zu klären, was es mit all diesen Autos auf sich hatte.

Die Beamten prüften unter anderem, durch welche Hände die Fahrzeuge gegangen und auf wen sie zugelassen waren und kontaktierten die jeweiligen Versicherungen. Schon bald stellte sich heraus, dass es ein Mammutprojekt wurde: Um die vielen Informationen aus unterschiedlichen Quellen bewältigen zu können, habe man ein spezielles Datenverarbeitungsprogramm einsetzen müssen, berichtete der Beamte. Durch die entsprechenden Verknüpfungen von Daten traten dann einige Auffälligkeiten zutage. Sämtliche Fahrzeuge – zumeist Modelle Mercedes Benz E-Klasse Kombi - waren offenbar von dem Angeklagten angekauft worden, später in Unfälle verwickelt und anschließend als Schadensfall gegenüber der Versicherung gemeldet worden. Die Unfälle liefen nach dem typischen Muster fingierter Unfälle ab: Ein „Crashfahrer“ fährt auf ein anderes Auto auf, weitere Zeugen gibt es nicht. Vermutlich sei das beschädigte Fahrzeug vorher ohne Insassen an dem ausbaldowerten Ort abgestellt worden, sagte der Ermittler. Als die Polizisten die damaligen Unfallfahrer befragen wollten, stießen sie auf eine Mauer des Schweigens: „Niemand hat eine Aussage gemacht.“ 

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