„Er war der liebste Mensch, den ich kannte“

Prozess um gewaltsamen Tod in Göttingen: Bruder des Getöteten sagte aus

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Die Straße Untere Karspüle in der Göttinger Innenstadt: Hier wurde der 28-Jährige Anfang Dezember tot aufgefunden.

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Mannes Anfang Dezember in der Unteren Karspüle in Göttingen hat das Landgericht auch den Bruder des 28-jährigen Getöteten gehört. Beide hatten sich am Tattag nachmittags getroffen.

Sein Bruder habe ihn einige Tage zuvor gefragt, ob er ihm 100 oder 150 Euro leihen könnte, berichtete der Zeuge. Er habe ihm das Geld gegeben und gefragt, ob er mit zum Weihnachtsmarkt kommen wolle. Das habe er aus Zeitmangel abgelehnt. „Das war das letzte Mal, dass ich mit ihm gesprochen habe.“

Für den 38-Jährigen war der jüngere Bruder „der liebste Mensch, den ich kannte.“ Er habe „immer ein gutes Herz“ gehabt und sei als Krankenpfleger sehr einfühlsam mit den Patienten umgegangen. Es sei schwer zu begreifen und es zerreiße ihm das Herz, dass sein Bruder nicht mehr am Leben sei. Auch seine vier Kinder würden ihren Onkel sehr vermissen. Er habe sich stets Zeit für sie genommen. Zu Beginn der Verhandlung hatte auch die Mutter des Getöteten von Tränen geschüttelt geschildert, wie sehr sie unter dem Verlust des Sohnes leide.

Der 38-Jährige betonte: „Mein Bruder war definitiv kein Drogendealer.“ Er habe gelegentlich Haschisch konsumiert, sei aber jeden Morgen zur Arbeit gegangen. Zuvor hatte der Vorsitzende Richter Auszüge aus dem Bericht der Spurensicherung verlesen. Demnach lag in dem Rucksack des Getöteten auch ein Brillenetui, in dem sechs Verpackungseinheiten Haschisch (insgesamt 52,6 Gramm) befanden. Den Ermittlungen zufolge hatte der 28-Jährige einen Tag vor seinem Tod 900 Euro vom Konto abgehoben. Es habe sich aber nicht feststellen lassen, wo das Geld geblieben sei.

Vor dem Tod wirkte er "irgendwie durcheinander"

Der 28-Jährige hatte sich kurz zuvor auch noch nach einer anderen Wohnung in Göttingen umgesehen. Bei dem Besichtigungstermin sei er gemeinsam mit einem 70-jährigen Mann erschienen, berichtete die Vermieterin. Beide Männer hätten sich darauf verständigt, dass der 28-Jährige die Wohnung nehmen und sein Begleiter in dessen bisherige Wohnung ziehen solle. Sie habe sich intensiv mit dem 28-Jährigen unterhalten. Die Prüfung fiel positiv aus.

Nachdem sie ihm diese Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hatte, habe sie sich gewundert, dass zunächst keine Reaktion kam. Als der 28-Jährige sich dann meldete, sei er ihr „irgendwie durcheinander“ erschienen. Später habe er nochmals angerufen und erzählt, dass seine aktuelle Vermieterin mit dem Wohnungstausch nicht einverstanden sei. Sie habe ihm Tipps gegeben, wie er sie umstimmen könnte. Dann habe der 28-Jährige gesagt, dass er in die Stadt gehen und sich zwei Dosen Bier am Kiosk kaufen wolle.

Wenige Stunden später war er tot. Die Staatsanwaltschaft wirft dem inzwischen 20-Jährigen Angeklagten vor, dem 28-Jährigen nach einer verbalen Auseinandersetzung gegen 0 Uhr mit einem Klappmesser zweimal in die Brust und einmal mit voller Wucht in den rechten Oberschenkel gestochen zu haben.

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