Landgericht

Prozess um Göttinger Macheten-Angriff: Nachbarn hörten laute Schreie

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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: In dem Gebäude tagt die Schwurgerichtskammer.

Wegen der Corona-Pandemie herrscht derzeit im Landgericht Göttingen gähnende Leere. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Die Schwurgerichtskammer tagt weiter regelmäßig.

Dies hängt damit zusammen, dass vor dieser Kammer die Tötungsdelikte verhandelt werden. Da die betreffenden Angeklagten zumeist in Untersuchungshaft sitzen, gelten für diese Verfahren besondere Fristen. Deshalb wurde beispielsweise am Mittwoch auch der Prozess gegen den mutmaßlichen Doppelmörder Frank N. gestartet.

Am Donnerstag gab es bereits die nächste Verhandlung: Die Kammer setzte den seit Ende Januar laufenden Prozess gegen einen 32-Jahre alten Mann aus Göttingen fort, der sich wegen versuchten Totschlages und schwerer Körperverletzung verantworten muss, Es war die einzige Verhandlung an diesem Tag.

In diesem Fall sitzt der Angeschuldigte nicht in Untersuchungshaft, sondern ist vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Der 32-Jährige soll Anfang August seinen 62-jährigen Vater in der elterlichen Wohnung in der Weender Landstraße in Göttingen mit einer Machete angegriffen und lebensgefährlich verletzt haben. Einige Tage zuvor soll er im Bistro der Göttinger Universitätsmedizin mit einer Metallstange randaliert und drei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes angegriffen haben. Ein Mitarbeiter wurde dabei schwer verletzt.

Der Angeschuldigte hatte nach der Tat angegeben, dass „Stimmen in seinem Kopf“ ihm befohlen hätten, seinen Vater zu töten, weil dieser „ein schlechter Mensch“ sei, der „nur Unheil bewirkt“ habe. Am Donnerstag wurde ein Vermerk eines Polizisten verlesen, der nach der Tat mehrere Zeugen befragt hatte. Demzufolge hatten damals Nachbarn laute Schreie und Gepolter in der Wohnung des Vaters gehört, dann sei plötzlich ein besonders lauter Schrei ertönt. Eine Nachbarin war daraufhin auf den Flur hinausgegangen. Als sie den Nachbarn blutüberströmt vor der Tür liegen sah, lief sie vor Schreck aus dem Haus.

Dort traf sie auf zwei Nachbarn aus einem gegenüberliegenden Wohnhaus. Diese hatten ebenfalls die Schreie gehört und einen Mann mit blutverschmierten Händen aus dem Haus kommen sehen. Während der eine Nachbar sofort die Polizei verständigte, folgte der andere dem blutenden Mann. Als dieser sich in der Arndtstraße auf eine Mauer setzte, sprach er ihn an und fragte, ob er einen Rettungswagen brauche. Daraufhin habe dieser sinngemäß gesagt: „Schau mich doch nur an“.

VON HEIDI NIEMANN

Gerichte in Südniedersachsen: Eilige Entscheidungen haben Vorrang. Der öffentliche Zugang zu den Gerichten in Südniedersachsen ist wegen Corona weiter eingeschränkt. Die nicht eilbedürftigen Angelegenheiten werden sich in den kommenden Wochen verzögern.

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