Angeklagter war in Schweden festgenommen worden

Prozess um grausigen Mord im Kreis Göttingen: 47-Jähriger weist Vorwürfe zurück

Göttingen/Herzberg. Mord aus Habgier: Wegen dieses Vorwurfs muss sich seit Dienstag ein 47-jähriger Mann aus Herzberg vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, im September vergangenen Jahres seine 74-jährige Mutter in ihrem Wohnzimmer mit einem Schürhaken erschlagen zu haben. Um das Verbrechen zu vertuschen, soll er ihre Leiche in einer Blumenbank einbetoniert haben. Der 47-Jährige habe seine Mutter getötet, weil diese nicht mehr seinen Lebensunterhalt finanzieren wollte. Bis dahin habe er von dem Geld seiner Eltern gelebt. Er sei arbeitslos und ohne eigene Einkünfte gewesen und habe Schulden in fünfstelliger Höhe gehabt. Er habe von dem Erlös aus einem Hausverkauf in Höhe von 65.000 Euro und der Rente seiner Mutter leben wollen.

Die Tat war sieben Monate lang unentdeckt geblieben. Erst im April erhielt die Polizei einen Hinweis, dass die 74-jährige Rentnerin nicht anzutreffen und ihr Grundstück verwahrlost sei. Die Ermittler prüften daraufhin zunächst, ob sich die 74-Jährige bei ihrem Sohn in Schweden aufhielt. Da sie dort nicht zu erreichen war, erwirkte die Staatsanwaltschaft Göttingen einen Durchsuchungsbeschluss, um die Hintergründe ihres Verschwindens aufklären zu können. Nachdem eine erste Suchaktion ergebnislos verlief, setzte die Polizei bei einer erneuten Suche zwei Leichenspürhunde ein. Diese fanden dann die einbetonierte Leiche.

Der 47-Jährige, der sich von zwei Anwälten verteidigen lässt, machte zu Beginn des Prozesses nur Angaben zu seiner Person. Sein Anwalt Professor Steffen Stern erklärte, dass ein Mandant die Vorwürfe zunächst zurückweise. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er einen Beruf erlernt habe, sagte der Angeklagte, dass er in Göttingen Germanistik studiert habe. Er sei geschieden und habe zuletzt in Schweden gelebt. Der 47-Jährige war bereits frühzeitig ins Visier der Ermittler geraten.

Zeugen hatten den Sohn der Ermordeten um die mutmaßliche Tatzeit in Herzberg gesehen. Nachdem sich der Verdacht erhärtet hatte, ließ die Staatsanwaltschaft Göttingen mit einem Europäischen Haftbefehl nach ihm fahnden. Als die Polizei den 47-Jährigen an seinem Wohnort in Schweden verhaften wollte, war er verschwunden. Nach einer groß angelegten Fahndung mit Hubschraubern und Polizeihunden nahmen ihn die Beamten in der Provinz Västerbottens Iän fest. Einige Tage später wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Seit Ende Mai sitzt der 47-Jährige in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf in Untersuchungshaft.

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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