Vorfall am Kauf-Parl

Prozess um Messerattacke am Kaufpark: Angeklagter Ex-Freund provoziert Opfer

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Tatort am Kaufpark in Göttingen: An der Bushaltestelle Kaufpark West wurde eine Frau durch Messerstiche schwer verletzt. Der Täter wurde gefasst und steht vor Gericht.

Göttingen. Im Prozess um eine Messerattacke auf eine 22-jährige Frau am Einkaufszentrum „Kauf Park“ in Göttingen hat das Landgericht Göttingen mehrere Polizisten als Zeugen vernommen. Auffällig war das Verhalten des Angeklagten gegenüber dem Opfer, seiner Ex-Freundin.

Einer der Beamten, der Anfang September 2017 als Erster am Tatort gewesen war, sah bei seiner Ankunft die schwer verletzte Frau auf einer Metallbank sitzen. „Ihr Oberkörper und ihr Kopf waren voller Blut“, berichtete der Polizist. Ersthelfer hätten versucht, die Blutungen zu stoppen. Das Opfer sei nicht ansprechbar gewesen.

Die 22-Jährige kam kurz darauf mit einem Rettungswagen ins Uni-Klinikum. Dort stellten die Ärzte fest, dass sie unter anderem zwei schwere Stichverletzungen an der linken Kopfseite im Nackenbereich und unterhalb der linken Brust erlitten hatte. Die Staatsanwaltschaft hat ihren bereits mehrfach vorbestraften 24-jährigen Ex-Freund wegen versuchten Mordes angeklagt. Nach Ansicht der Strafverfolgungsbehörde hat er ihren Tod billigend in Kauf genommen.

Außerdem wirft sie dem Angeklagten weitere Gewaltdelikte vor. Unter anderem soll er die 22-Jährige während ihrer rund ein Jahr dauernden Beziehung vielfach vergewaltigt und körperlich misshandelt haben.

Am Tatort am Kaufpark stießen die Polizisten auch auf eine Kundin, die zufällig Zeugin der Gewaltattacke geworden war.

Nach Angaben einer Polizistin berichtete diese bei ihrer Vernehmung, dass sie beim Verlassen der Tiefgarage Schreie einer Frau gehört habe. Sie habe dann gesehen, dass eine laut schreiende Frau auf einem Gehweg lag. Über sie sei ein Mann gebeugt gewesen, der wiederholt Ausholbewegungen mit dem rechten Arm gemacht habe. In seiner linken Hand habe sie etwas Blinkendes gesehen. Sie habe dann ebenfalls laut geschrien. Der Täter habe daraufhin zu ihr hinübergeblickt und sei geflüchtet.

Zeugenaussagen zufolge hatte eine Radfahrerin der Schwerverletzten aufgeholfen. Auf Bitten der 22-Jährigen habe diese dann deren Mutter angerufen und ihr anschließend das Handy gereicht. Die Schwerverletzte habe dann zu ihrer Mutter gesagt, dass ihr Ex-Freund sie „abgestochen“ habe.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 24-jährige Angeklagte hochgradig eifersüchtig war und nicht akzeptieren wollte, dass sich die 22-Jährige von ihm getrennt hatte. Bei der Messerattacke soll er gerufen haben: „Wenn ich dich nicht haben kann, dann kann dich keiner haben!“

In der Verhandlung am Dienstag machte er deutlich, dass er offenbar auch weiterhin nicht gewillt ist, sie in Ruhe zu lassen: Während die übrigen Verfahrensbeteiligten am Richtertisch Fotos vom Tatort in Augenschein nahmen, schaute er immer wieder provozierend zu der 22-jährigen Nebenklägerin und machte einmal eine Handbewegung in Richtung Hals. (pid)

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