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Prozess um Raubüberfall auf Göttinger Discounter: Erst den Sellerie, dann die Beute

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Von: Heidi Niemann

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Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte eine Göttinger Filiale des Discounters Penny überfallen haben. (Symbolbild)
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte eine Göttinger Filiale des Discounters Penny überfallen haben. (Symbolbild) © Oliver Berg/dpa

Wegen eines mutmaßlichen Raubüberfalls auf einen Supermarkt in Göttingen steht ein 21-Jähriger vor dem Landgericht Göttingen. Er soll etwa 900 Euro erbeutet haben.

Göttingen – Ein 21-jähriger Mann aus Göttingen muss sich wegen eines Raubüberfalls auf eine Filiale eines Lebensmittel-Discounters vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Prozess um Überfall auf Discounter in Göttingen: Bedrohung mit Messer

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, im Januar eine Kassiererin mit einem Messer bedroht und zur Herausgabe des Bargeldes bewegt zu haben. Insgesamt habe er 900 Euro erbeutet. Nach Ansicht der Anklagebehörde hat er sich damit unter anderem der räuberischen Erpressung schuldig gemacht.

Außerdem muss sich der Mann wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten.

Prozess um Überfall auf Discounter in Göttingen: Durchsuchung in Wohnung

Im November vergangenen Jahres hatte die Polizei bei einer Durchsuchung in seiner Wohnung in Göttingen rund sechs Gramm Marihuana und 22 Gramm Haschisch gefunden. Mitte Januar nahm ihn die Polizei fest, weil er unter dem Verdacht stand, zwei Tage zuvor einen Raubüberfall im Penny-Markt in der Leibnizstraße begangen zu haben. Im Zuge der Festnahme durchsuchten die Ermittler auch seine Wohnung. Dabei stellten sie neben 110 Euro Bargeld auch 24 Gramm Marihuana sicher.

Der Angeklagte räumte zu Beginn der Verhandlung die Vorwürfe ein. Den Überfall habe er begangen, weil er Geld benötigt habe, um seine Drogensucht zu finanzieren und seine Schulden bei Dealern bezahlen zu können. Laut Anklage hatte der 21-Jährige am 11. Januar abends gegen 21.40 Uhr den Penny-Markt betreten. Dort habe er der Kassiererin ein 35 Zentimeter langes Messer vorgehalten und gesagt: „Es tut mir leid, aber Sie müssen das Geld aus der Kasse holen.“ Die Kassiererin habe ihm dann erklärt, dass sie die Kasse ohne einen Kaufvorgang nicht öffnen könne. Daraufhin habe der Angeklagte einen Staudensellerie aus der Gemüseabteilung geholt.

Prozess um Überfall auf Discounter in Göttingen: Geöffnete Kassen

Die Kassiererin habe noch versucht, einen Alarmknopf zu drücken, dies habe er indes unterbunden. Daraufhin habe sie den Staudensellerie gescannt, die Kasse geöffnet und ihm das darin befindliche Bargeld gegeben. Anschließend habe sich der Angeklagte entfernt.

Der 21-Jährige erklärte dazu vor Gericht, dass er an dem Abend von Panik getrieben gewesen sei. Er habe an dem Tag nach einem heftigen Streit mit seiner Freundin Benzodiazepine und andere Substanzen eingenommen und zudem noch eine Flasche Wein getrunken. Eine genaue Erinnerung habe er nicht mehr. Er wisse noch, dass er an dem Abend aus dem Haus gegangen sei und kurz darauf vor dem Discounter gestanden habe.

Prozess um Überfall auf Discounter in Göttingen: Schulden beim Dealer bezahlt

Später habe er einen Teil seiner Schulden bei einem Dealer bezahlt und weitere Benzodiazepine gekauft. „Als ich am nächsten Morgen aufwachte, habe ich gewusst, dass ich was Blödes gemacht hab.“ Nach Angaben des Angeklagten hat seine „Drogenkarriere“ vor sieben Jahren begonnen.

Mit 14 Jahren habe er angefangen, regelmäßig zu kiffen und Alkohol zu trinken. Später habe er auch Ecstasy und andere Drogen genommen. Mit 18 Jahren habe er kurz vor dem Abitur die Schule abgebrochen.

Prozess um Überfall auf Discounter in Göttingen: Unterbringung kommt in Betracht

Der Vorsitzende Richter wies darauf hin, dass auch eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht komme. Der Prozess wird in dieser Woche fortgesetzt. Insgesamt hat das Gericht vier Verhandlungstage angesetzt. (Heidi Niemann)

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