Prozess um Tankstellenüberfälle in Duderstadt und Adelebsen

Landgericht Göttingen: 4,5 Jahre Haft für 21-Jährigen wegen Tankstellenüberfalls

Hinter einer Rasenfläche ist ein großes, eckiges Steingebäude zu sehen.
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Aufgeräumter Vorplatz: Das Gerichtsgebäude mit Amtsgericht und Landgericht in Göttingen am Maschmühlenweg.

Ein 21-jähriger Mann aus dem Landkreis Northeim soll wegen zwei Tankstellen-Überfällen für 4,5 Jahre in Haft. Das ist das Ergebnis eines Prozesses vor dem Landgericht Göttingen.

Göttingen/Northeim – Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte im Juli 2020 im Zeitabstand von zwei Wochen erst eine Tankstelle im Landkreis Göttingen, in Duderstadt und in Adelebsen, überfallen hat.

Damit habe er sich der schweren räuberischen Erpressung in zwei Fällen schuldig gemacht. Da der 21-Jährige drogenabhängig ist, ordneten die Richter zudem seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Der Angeklagte habe bei den Überfällen 3525 Euro erbeutet, der Betrag sei einzuziehen. Mit dem Urteil ging das Gericht über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die nach Angaben eines Gerichtssprechers eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten sowie die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt gefordert hatte.

Freispruch bezüglich Überfalls auf Moringer Tankstelle

Die Verteidigung plädierte dafür, den Angeklagten wegen zweifachen schweren Raubes im minderschweren Fall zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten zu verurteilen und diese zur Bewährung auszusetzen. Außerdem sei die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anzuordnen, der Vollzug sollte aber ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt werden.

Als Bewährungsauflagen sollte das Gericht auch eine stationäre Heilbehandlung anordnen, die nicht ohne Zustimmung des Arztes abgebrochen werden dürfe.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 21-Jährigen in ihrer Anklage auch einen weiteren Überfall auf eine Tankstelle in Moringen (Kreis Northeim) zur Last gelegt. Im Prozess räumte der Angeklagte nur die Überfälle in Adelebsen und Duderstadt ein. Mit dem Überfall in Moringen habe er nichts zu tun. Am Ende waren sich die Prozessbeteiligten darin einig, dass er diesbezüglich freizusprechen sei.

SEK-Stürmung in Duderstadt führte zu Kritik

Der Angeklagte hatte bei den Überfällen die jeweils allein im Verkaufsraum anwesenden Kassierer mit einer täuschend echt aussehenden Softair-Pistole bedroht und sie aufgefordert, das Bargeld herauszugeben.

Am Morgen nach dem ersten Überfall auf eine Tankstelle in Duderstadt hatte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei auf der Suche nach einem Tatverdächtigen ein Wohnhaus im Ortsteil Fuhrbach gestürmt.

Der 17-Jährige, gegen den sich damals der ursprüngliche Verdacht richtete, konnte aber ein Alibi vorweisen. Die Familie des 17-Jährigen hatte heftige Kritik an dem Polizeieinsatz geübt, der im Ort Aufsehen erregt hatte.

Als Tatmotiv gab der 21-Jährige vor Gericht Drogensucht an

Zehn Tage später folgte ein weiterer bewaffneter Überfall auf eine Tankstelle in Adelebsen. Sie Suche nach dem flüchtigen Täter verlief zunächst erfolglos. Rund zwei Wochen später nahm die Polizei dann den 21-Jährigen in der Wohnung eines Bekannten in Duderstadt fest, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Als Tatmotiv gab er vor Gericht seine Drogensucht an. Er habe zu der Zeit große Mengen Kokain, Amphetamine und Cannabis konsumiert. Nach drei bis vier Tagen sei das erbeutete Geld wieder weg gewesen.

In dem Prozess hatte der 21-Jährige seine Reue bekundet. Ihm sei in der Haft bewusst geworden, was er „den Leuten angetan“ habe. Er sehe auch immer wieder das Gesicht der verängstigten Kassiererin der Tankstelle in Adelebsen vor sich: „Manchmal träume ich davon.“ (Heidi Niemann)

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