Er brauchte Geld für Drogen

Prozess vor Landgericht Göttingen: 18-Jähriger gesteht Raubüberfall-Beteiligung

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Gebäude Amtsgericht und Landgericht Göttingen - Eingangsschild am Haupteingang: Hier findet der Prozess statt.

Im Prozess um zwei bewaffnete Raubüberfälle hat am Montag ein 18-jähriger Angeklagter aus Kalefeld (Kreis Northeim) erstmals vor dem Landgericht Göttingen Angaben gemacht.

Er habe im Februar bei den beiden Überfällen auf einen Edeka-Markt in Rittmarshausen (Kreis Göttingen) und einen 78-jährigen Rentner im Kalefelder Ortsteil Oldershausen mitgemacht, weil er Geld gebraucht habe, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren. 

Er habe damals täglich Cannabis konsumiert und mehrmals wöchentlich Amphetamine genommen.

Im aktuellen Prozess müssen sich 7 Personen verantworten

Der 18-Jährige hatte sich nach eigenen Angaben regelmäßig in der Wohnung eines 29-jährigen Mitangeklagten in einer Ortschaft im Eichsfeld aufgehalten. 

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der mehrfach vorbestrafte 29-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, den wesentlichen Anstoß zu den Überfällen gegeben hat. Gegen ihn ist auch noch ein weiteres Verfahren wegen 19 weiterer Straftaten anhängig. Er soll einen größeren Personenkreis kostenlos mit Drogen versorgt und dafür verlangt haben, dass sie für ihn Einbrüche begehen.

In dem aktuellen Prozess müssen sich sieben Personen verantworten. Sie sollen laut Anklage in unterschiedlicher Besetzung an den beiden Überfällen beteiligt gewesen sein.

Der 18-Jährige war der Erste, der vom Gericht befragt wurde. Er zeigte sich zwar im Wesentlichen geständig, wich aber bei Fragen nach der Rolle des 29-Jährigen aus. Als es um den Überfall in Rittmarshausen ging, erklärte er erst auf mehrfaches Nachfragen: „Ich glaub, der hatte die Idee.“

Sie seien dann zu fünft zum Tatort gefahren, der 29-Jährige sei dagegen in seiner Wohnung geblieben. Nach dem Überfall seien sie alle dorthin zurückgekehrt, sagte der 18-Jährige.

Einer der Mittäter habe dem 29-Jährigen das erbeutete Bargeld von rund 600 Euro gegeben. Dieser habe das Geld aufgeteilt. Dass der 29-Jährige selbst einen Anteil von 100 Euro einbehielt, obwohl er gar nicht an dem Überfall beteiligt gewesen war, wurde nach Angaben des Angeklagten ohne Murren akzeptiert: „Er hat das ja auch organisiert“, erklärte der 18-Jährige.

Überfall auf Rentner: Tipp kam von Mitangeklagten

Zweieinhalb Wochen später folgte der Überfall auf den Rentner in Oldershausen. Diesmal soll der 29-Jährige in dem Auto gesessen haben, während der 18-Jährige mit einem gleichaltrigen Mitangeklagten zu dem Wohnhaus ging. 

Eine ebenfalls angeklagte 30-jährige Frau aus Kalefeld habe ihnen zuvor bei einem Treffen in ihrer Wohnung den Tipp gegeben, dass bei dem 78-Jährigen viel Geld zu holen sei. Bei dem Überfall wurde der Rentner so schwer verletzt, dass er eine Woche im Krankenhaus verbringen musste.

Nachdem die Polizei den mutmaßlichen Tätern auf die Spur gekommen war, hatte der 18-Jährige erst bestritten, dass der 29-Jährige dabei gewesen war. „Ich wollte ihn raus halten“, erklärte er nun.

Er räumte zudem ein, dass sein vermeintlicher Freund ihm mehrmals in Chats Schläge angedroht habe, wenn er nicht pünktlich zu Treffen erschienen sei. Inzwischen sei ihm klar, dass er „Scheiße“ gebaut habe: „Die Opfer leiden ja schon darunter, was wir getan haben.“

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