Prozess-Auftakt in Göttingen

Psychiatrie-Patient führte Sex-Chat mit Zwölfjähriger

Göttingen. Ein Psychiatriepatient, der seit mehr als 20 Jahren im Maßregelvollzug untergebracht ist, muss sich seit Dienstag wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten.

Der Mann ist einschlägig vorbestraft.

Der 46-jährige Angeklagte soll sich im Frühjahr 2013 mit Hilfe eines in das Maßregelvollzugszentrum Moringen eingeschmuggelten USB-Sticks Zugang zum Internet verschafft haben. Dort soll er dann in einem Skype-Chat Kontakt zu einem zwölfjährigen Mädchen aufgenommen haben. Laut Anklage soll er die Zwölfjährige dazu gedrängt haben, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen und davon Fotos anzufertigen, die sie ihm dann zuschicken sollte.

Verschiedene Sexualdelikte

Der Artikel wurde aktualisiert um 17.40 Uhr.

Der 46-Jährige ist seit 1994 aufgrund eines Urteils des Landgerichts Hannover sowie eines weiteren Urteils des Landgerichts Göttingen wegen verschiedener Sexualdelikte im Maßregelvollzug untergebracht. Zu Beginn seines neuen Prozesses vor dem Landgericht Göttingen räumte er die Vorwürfe weitgehend ein. Er habe sich den internetfähigen USB-Stick über die Göttinger Adresse eines früheren Mitpatienten besorgt. Ein Freigänger habe ihm dann den Stick ins Maßregelvollzugszentrum in Moringen mitgebracht. Die Monatsgebühren für die Internet-Nutzung habe er über ein Konto bezahlt, das er noch bei der Sparkasse in Northeim gehabt habe.

Der Angeklagte hatte sich damit über die Regeln und Behandlungsvorgaben der Spezialklinik für psychisch kranke Straftäter in Moringen hinweggesetzt. Die Patienten dürften zwar einen Rechner haben, sagt der Ärztliche Direktor der Klinik, Dirk Hesse. Die Rechner hätten aber keinen Internet-Zugang. Die Patienten dürften auch kein Smartphone und keine USB-Sticks nutzen. Die Rechner verfügten über eine Prüfvorrichtung, mit der sich eine unzulässige Nutzung feststellen lasse.

Nach Angaben des Angeklagten wollte er sich zunächst nur ein Computerspiel mit einem Landwirtschaftssimulator herunterladen. Später habe er sich dann Nacktbilder von Frauen und jungen Mädchen verschafft, die er anderen Patienten verkauft oder für Tauschgeschäfte genutzt habe. Via Skype baute er einen Chat-Kontakt zu einem zwölfjährigen Mädchen aus dem Raum Aachen auf, dem er vorgaukelte, ein 16-jähriger Junge aus Hannover zu sein. Nachdem er die Zwölfjährige gebracht hatte, ihm ein Nacktfoto zu schicken, forderte er weitere Fotos, die sie in möglichst obszönen Stellungen zeigen sollten. Anderenfalls werde er das ihm bereits zugesandte Foto im Internet veröffentlichen.

Spezielles Online-Portal

Die Zwölfjährige hatte sich daraufhin über ein spezielles Online-Portal an die Polizei gewandt. Den Fahndern gelang es, die Identität ihres Chat-Partners zu ermitteln. Dieser war inzwischen in ein psychiatrisches Krankenhaus in Hildesheim verlegt worden. Dort stellten die Ermittler unter anderem ein Handy sicher, auf dem kinderpornographische Aufnahmen gespeichert waren. Das Gericht hat für den Prozess vier Verhandlungstage angesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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