Tat im Juli

Prozessauftakt in Göttingen: 23-Jähriger gesteht tödlichen Stich

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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier begann am Mittwoch der Prozess um einen tödlichen Messerstich.

Göttingen. Wegen eines tödlichen Messerangriffs vor einem Lokal in der Göttinger Innenstadt müssen sich seit Mittwoch zwei 23 und 31 Jahre alte Männer aus Eritrea vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 23-jährigen Hauptangeklagten vor, im vergangenen Juli einem 34-jährigen Marokkaner im Verlauf eines Streits aus kürzester Entfernung mit einem Küchenmesser in die Brust gestochen zu haben. Der 31-jährige Mitangeklagte habe währenddessen die Arme des 34-Jährigen auf dem Rücken festgehalten. Der Marokkaner erlitt einen 15 Zentimeter tiefen Stich ins Herz. Er wurde im Göttinger Uni-Klinikum notoperiert, erlag dort wenig später seinen schweren Verletzungen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben die Angeklagten den Tod des 34-Jährigen billigend in Kauf genommen, sie bewertet die Tat deshalb als Totschlag.

Aktualisiert um 16.40 Uhr

Der 23-Jährige zeigte sich zu Beginn des Prozesses geständig. Er habe nie die Absicht gehabt, den 34-Jährigen zu töten, sagte er. Er sei völlig schockiert darüber und bereue jeden Tag aus tiefstem Herzen, was passiert sei. An die Tat selbst könne er sich nicht erinnern. Er habe das Messer bei sich gehabt, weil er sich von dem körperlich überlegenen 34-Jährigen und dessen Freunden bedroht gefühlt habe. Am Nachmittag zuvor sei er mit dem 34-Jährigen in einem Göttinger Wohnkomplex in Streit geraten. Der Marokkaner habe ihm Drogen verkaufen wollen, was er abgelehnt habe. Daraufhin sei der 34-Jährige wütend geworden. Der Mitangeklagte habe ihm dann berichtet, dass der Marokkaner und dessen Freunde damit gedroht hätten, ihn umzubringen. Er habe daraufhin Angst bekommen und die Polizei angerufen. Es sei aber niemand gekommen.

Abends habe er dann gemeinsam mit dem 31-jährigen Mitangeklagten in einer Kneipe in der Göttinger Innenstadt gesessen und Bier getrunken, sagte der 23-Jährige. Kurze Zeit später sei der Marokkaner mit zwei Begleitern aufgetaucht und habe ihn immer wieder aufgefordert: „Komm raus.“ Irgendwann habe er den 34-Jährigen nicht mehr gesehen und schnell das Lokal verlassen, um nach Hause zu gehen. Draußen sei dann der 34-Jährige auf ihn zugekommen, habe ihn gepackt und ihm eine Ohrfeige gegeben. Wie es dazu kam, dass er das Messer zückte, wisse er nicht mehr. Er könne sich an die eigentliche Tat nicht mehr erinnern. Er habe nur pure Angst gehabt und sei zur Polizei gelaufen, um Schutz zu suchen. Erst später habe er bemerkt, dass sein Messer blutverschmiert war.

Der 23-Jährige war kurz nach der Tat bei der Polizei aufgetaucht und dort festgenommen worden. Er hatte den Beamten die mutmaßliche Tatwaffe vorgelegt und angegeben, dass er verfolgt werde. Der 31-jährige Mitangeklagte wurde kurz nach der Tat in dem Lokal festgenommen. Beide sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Das Gericht hat für den Prozess acht Verhandlungstage angesetzt. (pid)

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