Auch Abschlepper und Werkstätten beteiligt

Prozessauftakt in Göttingen: Betrug mit absichtlich verursachten Unfällen

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Gerichtscampus: Das Landgericht und Amtsgericht Göttingen am Maschmühlenweg in der Innenstadt.

Göttingen. Vor dem Amtsgericht Göttingen hat ein weiterer Prozess um eine Betrugsserie mit absichtlich verursachten Verkehrsunfällen begonnen.

Angeklagt sind ein 35-Jähriger aus Göttingen und ein 30-Jähriger aus Sehnde.

Die beiden Männer sollen im Auftrag eines 64-jährigen Mannes aus dem Raum Duderstadt absichtlich einen Auffahrunfall auf dem Zubringer zur A7 im Göttinger Stadtteil Holtensen herbeigeführt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den Autofahrern Betrug vor. Der mutmaßliche Drahtzieher, der bereits mehrere Jahre wegen Bandendiebstahls und Drogenhandels in Haft gesessen hat, ist in einem gesonderten Verfahren wegen 15 Fällen des gewerbsmäßigen Betruges angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, diverse Kfz-Versicherungen um mehrere hunderttausend Euro betrogen zu haben.

Laut Ermittler soll der 64-Jährige vor etwa acht Jahren geplant haben, vorsätzlich Verkehrsunfälle zu organisieren und mit Hilfe von Rechtsanwälten die Versicherungen zur Schadensregulierung zu veranlassen. Um nicht selbst in Erscheinung zu treten, habe er andere Personen als „Scheinhalter“ von Fahrzeugen eingesetzt, die gegenüber den Versicherungen ihre angeblichen Schadensersatzansprüche geltend gemacht hätten.

Abschlepper und Werkstätten beteiligt

Die Staatsanwaltschaft hat zwölf Anklagen gegen Unfallfahrer und Fahrzeughalter erhoben. Auch Abschleppunternehmen und Kfz-Werkstätten sollen an dem „Geschäftsmodell“ beteiligt gewesen sein.

Die Polizei war der Betrugsserie nach einer Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche auf die Spur gekommen. Als die Ermittler ein Bankschließfach des 64-Jährigen durchsuchten, fanden sie 17 Fahrzeugbriefe und Zweitschlüssel sowie 200.000 Euro Bargeld. Bei der Auswertung der Dokumente fiel auf, dass viele dieser Autos in Unfälle verwickelt gewesen waren.

Dann stellte sich heraus, dass der 30-jährige Angeklagte im August 2011 mit einem Mercedes in einen Auffahrunfall in Göttingen involviert gewesen war. Der 30-Jährige hatte auf dem Beschleunigungsstreifen anhalten müssen. Der 35-jährige Mitangeklagte soll das angeblich zu spät bemerkt haben und mit seinem Auto auf das E-Klasse-Fahrzeug aufgefahren sein. Dann wurde gegenüber der Versicherung ein Schaden von mehr als 30.000 Euro geltend gemacht.

Auch der angegebene Kilometerstand in dem Schadensgutachten sei laut Staatsanwaltschaft falsch gewesen. Tatsächlich hatte der Mercedes eine um mehr als 100.000 Kilometer höhere Laufleistung und sei damit deutlich weniger wert gewesen.

Inzwischen hat es bereits mehrere Prozesse um mutmaßlich inszenierte Unfälle gegeben, die alle mit Geld- oder Freiheitsstrafen endeten. Die bislang höchsten Geldstrafen erhielten ein einschlägig vorbestrafter 68-jähriger Rentner und ein 44-jähriger Gastronom aus Göttingen (10.000 bzw. 9000 Euro). Inzwischen ist auch das Landgericht Göttingen mit mehreren Fällen befasst.

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