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Prozessauftakt in Göttingen: Sportuhr soll Mord beweisen

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Von: Heidi Niemann

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Prozessauftakt: Der Angeklagte verbarg sein Gesicht unter einer weißen Baseball-Kappe und hinter einem aufgeschlagenen Schreibblock.
Prozessauftakt: Der Angeklagte verbarg sein Gesicht unter einer weißen Baseball-Kappe und hinter einem aufgeschlagenen Schreibblock. © Heidi Niemann

Ein IT-Spezialist aus Hannover soll in Göttingen seine Ex-Freundin erwürgt haben. Seit Mittwoch muss sich der 44-Jährige vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen verantworten.

Göttingen – 60 Herzschläge pro Minute: Bei einer erwachsenen Frau gilt ein solcher Wert als normaler Ruhepuls. 60 Herzschläge pro Minute wurden am 25. August 2021 um 15.17 Uhr von einer Sportuhr am Arm einer 51-jährigen Frau in Göttingen aufgezeichnet. Dieser Pulswert spielt jetzt in einem Mordprozess eine zentrale Rolle.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, am Nachmittag des 25. August 2021 seine ehemalige Freundin in deren Wohnung in der Wiesenstraße in Göttingen erwürgt zu haben. Die 51-jährige alleinerziehende Mutter hatte sich einige Zeit zuvor von ihm getrennt.

Auftakt für Mordprozess in Göttingen: Angeklagter verbarg sein Gesicht

Als der 44-Jährige zum Prozessauftakt in den Verhandlungssaal geführt wurde, verbarg er sein Gesicht unter einer weißen Baseball-Kappe und hinter einem aufgeschlagenen Schreibblock. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat er einen heimtückischen Mord begangen. Er habe seine 51-jährige Ex-Freundin am Tattag in ihrer Wohnung aufgesucht und dort zunächst ein friedliches Verhalten vorgetäuscht. Um genau 15.17 Uhr habe er dann die Klinikmitarbeiterin völlig überraschend gewürgt. Die 51-Jährige habe noch verzweifelt versucht, ihn abzuwehren und ihm dabei den Daumen in den Mund gedrückt. Der 44-Jährige habe jedoch weiter so lange zugedrückt, bis sie tot war.

Anschließend soll der Angeklagte verschiedene Aktionen unternommen haben, um das Gewaltverbrechen zu verbergen und stattdessen den Eindruck zu erwecken, dass seine Ex-Freundin nach massivem Alkoholkonsum gestorben sei. Er habe die tote Frau ins Bett gelegt, sie bis auf BH und Slip entkleidet, ihr einen Schlafanzug übergezogen und ihr ein Halstuch um den Hals gelegt, um Würgemale zu verdecken.

Auftakt für Mordprozess in Göttingen: Angeklagter machte keine Angaben

Der Angeklagte machte zu Beginn des Prozesses keine Angaben. Der 44-Jährige war bereits frühzeitig ins Visier der Ermittler geraten. Die Polizei hatte damals aus taktischen Gründen mehrere Wochen nicht über das Gewaltverbrechen berichtet, um die verdeckten Ermittlungen nicht zu gefährden.

Da auch der Angeklagte eine Pulsuhr trug, werteten die Ermittler auch diese Daten aus. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft lassen sich aus den aufgezeichneten Daten der Pulsuhren mehrere Rückschlüsse ziehen. Im Fall der Getöteten sei die Frequenz von 60 Herzschlägen pro Minute ein Indiz dafür, dass die 51-Jährige von dem Angriff völlig überrascht und somit arg- und wehrlos war. Bei dem Angeklagten sei der Puls zwischen 15.17 Uhr und 15.38 Uhr – also der mutmaßlichen Tatzeit - von 84 auf 147 Herzschläge pro Minute gestiegen, dies sei durch Aufregung und körperliche Anstrengung verursacht. Die 51-Jährige war einen Tag nach der Tat tot aufgefunden worden.

Auftakt für Mordprozess in Göttingen: Zwischenfall im Gerichtssaal

Am ersten Prozesstag kam es zu einem Zwischenfall: Obwohl überall im Gericht entsprechende Verbotsschilder angebracht sind, hatte ein Zuschauer während der Verhandlung Fotos mit seinem Handy gemacht und diese verschickt. Das Gericht ließ das Handy beschlagnahmen und verhängte gegen den Mann ein Ordnungsgeld von 200 Euro. Die Verteidigung stellte zudem einen Strafantrag wegen Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz. Der Prozess wird Ende März fortgesetzt. (Heidi Niemann)

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