Göttingen

Prozessauftakt um Gasexplosion mit Todesfolge in Göttingen: Angeklagte schweigen zu Vorwurf

Behelfsmäßiger Verhandlungssaal in der Mehrzweckhallte im Göttinger Stadtteil Holtensen: Mehrere Tische stehen wie in einem Gerichtssaal angeordnet, an einigen sitzen Personen
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Prozessauftakt in der Mehrzweckhalle Holtensen: Der Prozess um eine Gasexplosion im Februar 2015 begann am Donnerstag. Die vier Angeklagten machten zu Beginn des Verfahrens von ihrem Schweigerecht Gebrauch.

2015 kam es zu einer Gasexplosion in Göttingen. Eine Ärztin starb, ein Sicherheitsmitarbeiter wurde schwer verletzt. Nun begann der Prozess gegen vier Handwerker.

Göttingen – Vor dem Amtsgericht Göttingen müssen sich seit Donnerstag, 3. Juni, vier Handwerker wegen Körperverletzung mit Todesfolge und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. In dem Prozess geht es um eine Gasexplosion in der Uni-Stadt im Februar 2015.

An den Folgen des Unglücks war eine Ärztin der Universitätsmedizin Göttingen gestorben. Ein weiterer Betroffener erlitt schwerste Verletzungen. Die vier Angeklagten im Alter von 53, 56, 57 und 63 Jahren machten am Donnerstag zu Prozessbeginn von ihrem Schweigerecht Gebrauch.

Prozess um Gasexplosion in Göttingen: Ärztin starb, Sicherheitsmitarbeiter erlitt schwerste Verletzungen

Ihnen wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, bei Bau- und Montagearbeiten 2012 ein Rohr nicht verschlossen zu haben, obwohl dies nach DIN-Norm zwingend vorgeschrieben sei. Durch dieses Rohr war knapp drei Jahre später nach einem Bruch in einer nahen Leitung Erdgas in das Innere des Gebäudes geströmt und ein zündfähiges Gemisch entstanden.

Als die Ärztin am 13. Februar 2015 den Lichtschalter im Flur betätigte, kam es zur Verpuffung beziehungsweise zur Explosion. Der Knall war weithin zu hören. Beide Opfer liefen brennend auf den Vorplatz am Weender Tor. Die 55-jährige Ärztin erlitt schwerste Verbrennungen am Körper und starb zehn Tage später in der Medzinischen Hochschule Hannover (MHH).

Ihr 30-jähriger Begleiter trug Schutzkleidung. Dennoch erlitt der Sicherheitsbedienstete schwerste Verletzungen, musste dreimal operiert werden. Dann folgte eine lange Rehabilitationsphase, heißt es in der Anklageschrift.

Prozess um Gasexplosion in Göttingen: Viele Verfahrensbeteiligte

Wegen der vielen Verfahrensbeteiligten hat das Gericht für den Prozess die Mehrzweckhalle im Göttinger Stadtteil Holtensen angemietet. Dort ist ein provisorischer Verhandlungssaal entstanden. Das Landgericht hatte in der Halle bereits einmal verhandelt. Für das Amtsgericht ist es der erste Prozess dort.

Am Donnerstag sollte eigentlich ein Sachverständiger gehört werden. Er musste aber aus gesundheitlichen Gründen absagen. Das Gericht hat für den Prozess vier Verhandlungstage angesetzt. Das Verfahren wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

Prozess um Gasexplosion in Göttingen: Gasgeruch bereits am Tag vor der Explosion

Am ersten Prozesstag kam bei der Vernehmung eines Polizeibeamten heraus, dass der 30-Jährige, der bei der Explosion damals schwer verletzt worden war, bereits am Tag vor dem Unglück Gasgeruch in dem Gebäude wahrgenommen hatte.

Allerdings wurde diesem Verdacht offenbar nicht mit allem Nachdruck nachgegangen. Jetzt wird mit Spannung auf die Aussagen der Sachverständigen gewartet: Ihre Einschätzungen dürften bei dem Prozess entscheidend sein. (Bernd Schlegel)

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