Trotz Corona

Prüfung in Präsenz: Uni-Medizin Göttingen tat alles, um realitätsnah ärztliche Fähigkeiten abzuprüfen

Junge Männer in weißen Kitteln und mit Masken heben Klappen an Türen hoch, um den Blick auf beschriebenes Papier freizulegen
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Klappe hoch! Die Aufgaben für den Prüfungsparcours gab es für die Medizinstudenten hinter Klappen auf dem Flur. 150 angehende Mediziner der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) machten ihre Prüfung in Präsenz.

150 angehende Ärzte machten nun ihre erste klinische Prüfung – und das trotz Corona in Präsenz. Damuit das möglich war, brauchte es ein strenges Hygienekonzept.

Göttingen – 150 Studierende der Humanmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben ihre klinische Prüfung absolviert – und das in Präsenz. Möglich machten das ein Hygienekonzept, umfangreiche Corona-Testungen, Plexiglaswände und der besondere Einsatz aller Beteiligten.

Die Prüfungen am und mit dem Menschen sind notwendig, weil bestimmte Inhalte der Ausbildung und Basisfähigkeiten nur so realitätsnah geprüft werden können: Eine Wunde nähen, das Anlegen eines EKG, das Befunden von Patienten, natürlich das Gespräch mit diesen.

Präsenz-Prüfung an der UMG: „Studierende möglichst gut vorbereiten“

Dieses Prüfen der ärztlichen Basisfertigkeiten steht für die Humanmedizin-Studierenden üblicherweise am Ende ihres zweiten klinischen Semesters. In diesem Jahr mussten die 150 Berechtigten länger auf ihre erste Prüfung im klinischen Studium warten.

„Eigentlich hätte die Prüfung Ende Januar stattfinden müssen, da waren wir mitten in der zweiten Coronawelle. Wir haben den Termin abgesagt und für Mitte April neu geplant“, sagt Dr. Iris Demmer, ärztliche Leitung des STÄPS (Studentisches Trainingszentrum Ärztlicher Praxis und Simulation) der UMG.

„Den Ersatztermin für die Prüfung wollten wir unbedingt ermöglichen, um unserer Studierenden möglichst gut auf die folgenden Famulaturen in Arztpraxen Praxen und Kliniken vorzubereiten.

Präsenz-Prüfung an der UMG: Insgesamt 14 Prüfungsdurchgänge

Damit es losgehen konnte, schob das UMG-Testteam um Leiter Prof. Nicolas Feltgen Zusatzschichten, testete sonntags, damit die Prüfungen montags starten konnten. Jeder Prüfungslauf umfasste elf Stationen und dauerte jeweils zweieinhalb Stunden.

Prüfungssituation: Prüfling Nima Gholamzadeh Biji und – durch Plexiglasscheibe zusätzlich geschützt – Prüferin und UMG-Ärztin Dr. Iris Demmer.

Insgesamt 14 Prüfungsdurchgänge waren für das Organisationsteam zu planen und zu betreuen, inklusive kurioser Bedingungen: Um die Prüfungsaufgabe lesen zu können, hoben die Prüflinge eine Holzklappe hoch. Und auf dem Flur war „Verkehr“, dort begegneten sich Prüflinge und Prüfungspersonal – manchmal kurzzeitig bis zu 20 Personen.

In enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Krankenhaushygiene und Infektiologie wurden alle Einzelschritte geprüft und dann in einem genauen Ablaufkonzept festgelegt.

Präsenz-Prüfung an der UMG: Konzept könnte „Blaupause“ sein

Für Studiendekan Prof. Lorenz Trümper, der zudem ab Mai in den Vorstand der UMG aufrückt, gibt es auch in der Pandemie mit allen Einschränkungen keine Alternative zu den praktischen Elementen der Prüfung: „Gerade wegen der Pandemie und trotz der aktuell hohen Belastung in der Krankenversorgung ist die Ausbildung junger Mediziner eine ganz besonders wichtige Aufgabe.“

Trümper war denn auch auch sehr froh, „dass wir an der UMG mit vereinten Kräften einen Weg gefunden haben, um diese erste wichtige Prüfung im klinischen Teil des Humanmedizinstudiums auch unter Pandemiebedingungen absolvieren zu können.“ Denn jede ausgefallene oder verschobene Prüfung könne sich für die Studierenden zusätzlich belastend im Studium auswirken.

Das jetzt in der Uni-Klinik praktizierte Konzept könnte laut Trümper sogar „die Blaupause für andere klinische Prüfungen sein“. Und: Der Kontakt zu Patienten kann für eine Ärztin/Arzt auch in Zeiten der Pandemie letztlich nicht unterbunden werden. Im Gegenteil: Er ist wichtig. (Thomas Kopietz)

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