PFH-Studie

Psyche leidet in der Pandemie: mehr stärkere Depressionen und Essstörungen

Depressionen im Lock Down: An der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) wurden die psychischen Folgen der Beschränkungen in der Corona-Krise untersucht.
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Depressionen im Lock Down: An der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) wurden die psychischen Folgen der Beschränkungen in der Corona-Krise untersucht (Symbolbild).

An der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) hat sich Prof. Dr. Youssef Shiban mit psychischen Folgen der Beschränkung des gesellschaftlichen Lebens befasst.

Göttingen – Das Ergebnis der Studie: Das psychische Wohlbefinden hat bei vielen Menschen teils stark gelitten. Das hat auch Folgen für ein im Falle psychischer Krankheiten und Versorgung ohnehin überlastetes Gesundheitssystem.

Bei depressiven Symptomen ergibt sich laut Ergebnissen der Studie eine Verdreifachung des Anteils an schwerer Symptombelastung im Vergleich zur vorpandemischen Stichprobe. Bei etwa jedem bzw. jeder Fünften zeigen sich mittelschwere Essstörungs-Symptome, der Anteil an Teilnehmern mit schwerer Symptombelastung verdreifachte sich sogar, wie Youssef Shiban zusammenfasst, der auch sagt, dass man zu Beginn des ersten Lockdowns während der Corona-Pandemie mit einem Anstieg psychischer Belastung einhergehend mit der Beschränkung des öffentlichen und persönlichen Lebens gerechnet habe.

Pandemiefolgen erforscht: Prof. Dr. Youssef Shiban.

Bei Menschen mit zwanghaften Symptomen, wie zum Beispiel wiederholenden quälenden Gedanken, traten nach den Ergebnissen der Studie sogar fünffach häufiger schwere Symptome auf. Die Ergebnisse kommen also für den Professor für Klinische Psychologie an der PFH nicht ganz unerwartet. Basis für die Erkenntnisse des internationalen Forscherteams waren die Daten von etwa 2500 Studien-Teilnehmern aus dem Zeitraum April bis Juni 2020. „Die Ergebnisse bestätigen die Tendenz aus den vorläufigen Zahlen, die wir dazu bereits im Juni 2020 veröffentlicht haben“, so Shiban.

Frauen weisen leider ein erhöhtes Risiko für diese Symptomatiken auf

Prof. Dr. Youssef Shiban

Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass insbesondere Frauen und jüngere Personen im Vergleich zu anderen Gruppen stärker belastet sind.

„Dass Frauen von stärkeren Belastungen berichten, ist jedoch nicht sehr überraschend, da Frauen leider ein erhöhtes Risiko für diese Symptomatiken aufweisen“, sagt Shiba. Auch erscheint die stärkere Belastung von Jüngeren für den Psychologie-Professor logisch, „da sie sich durch die Beschränkungen sozialer Kontakte subjektiv stärker eingeschränkt fühlen könnten als die älteren Generationen“. Für Shiban ist die die starke Erhöhung von psychischen Belastungen „besorgniserregend, da die Gesundheitsversorgung in Deutschland hinsichtlich psychologischer Hilfe schon vor der Corona-Pandemie unzureichend war, beispielsweise durch lange Wartezeiten für Therapieplätze, und nun aller Voraussicht nach durch die höhere Beanspruchung noch stärker leidet“.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Der Grad der Schwere der Symptome zeige einen „überraschend geringen“ Zusammenhang zur Schwere der Einschränkungen im öffentlichen Leben, so das Forscherteam. Dabei wurden die Daten aus Niedersachsen und Bayern miteinander verglichen, weil dort unterschiedlich strenge Lockdown-Maßnahmen verhängt wurden. Bayern verhängte eine restriktive Ausgangssperre vom 21. März bis Anfang Mai 2020. In Niedersachsen wurde ab dem 23. März 2020 die soziale Distanzierung, also das zu Hause bleiben, empfohlen. (Thomas Kopietz)

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