Urteil am Amtsgericht Göttingen

Psychoterror durch jahrelanges Stalking: Drei Jahre Haft für 38-Jährigen

Der Eingang zum Amtsgericht Göttingen: Hier fiel das Urteil gegen den 38-Jährigen.
+
Der Eingang zum Amtsgericht Göttingen: Hier fiel das Urteil gegen den 38-Jährigen. Archivfoto: Thomas Kopietz

Das Göttinger Amtsgericht hat einen 38-jährigen Mann wegen Stalking zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

Göttingen – Mehrere Jahre lang hat ein zunächst unbekannter Stalker einem 68-jährigen Mann aus Göttingen durch permanente Nachstellungen das Leben zur Hölle gemacht. Jetzt droht dem mutmaßlichen Täter eine mehrjährige Gefängnisstrafe: Das Amtsgericht Göttingen verurteilte einen 38-jährigen Mann aus Göttingen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Das Gericht befand den Angeklagten unter anderem der schweren Körperverletzung, der Nachstellung, Beleidigung und Verleumdung sowie des Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz für schuldig. Der Angeklagte habe dem 68-Jährigen über einen langen Zeitraum so massiv zugesetzt, dass dieser erhebliche gesundheitliche Schäden davongetragen und sich dessen Leben für immer geändert habe, sagte die Vorsitzende Richterin Jana Neumeister: „Nichts ist mehr so, wie es war, bevor der Angeklagte in sein Leben getreten ist.“

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte sein Opfer, das er nur vom Sehen aus einem Laden in der Göttinger Innenstadt kannte, über mehrere Jahre hinweg massiv gestalkt hat. Unter anderem soll er den Händler durch anonyme Anrufe, E-Mails, Verbreitung von Fotos und Videoaufnahmen im Internet sowie Warenbestellungen und Zeitschriften-Abos unter dessen Namen terrorisiert haben.

Nach Überzeugung des Gerichts war der Angeklagte auch wiederholt vor dem Haus des 68-Jährigen aufgetaucht und hatte dort Fotos ausgelegt, die diesen diskreditieren sollten. Um den 68-Jährigen lächerlich zu machen, habe er auch Collagen angefertigt und im Internet veröffentlicht.

Der 68-Jährige fühlte sich durch die jahrelangen permanenten Nachstellungen so verunsichert und bedroht, dass er sich irgendwann nicht mehr aus dem Haus traute, 17 Kilo Gewicht verlor und schließlich aufgrund seiner desolaten psychischen und körperlichen Verfassung zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus kam. Laut einem Arztbrief war seine Immunabwehr als Folge von Mangelernährung massiv abgeschwächt.

Er erlitt eine Lungenentzündung und musste nach einem Herzstillstand drei Wochen lang künstlich beatmet und über Sonden ernährt werden.

Die Richterin verwies darauf, dass der Angeklagte sehr geplant und gezielt vorgegangen sei. Zu seinen Gunsten sei zu werten, dass er sich selbst gestellt und – allerdings nur teilweise – ein Geständnis abgelegt habe. Gegen ihn sprächen mehrere schwerwiegende Aspekte. Die Taten hätten sich über einen sehr langen Zeitraum erstreckt, außerdem habe er dabei verschiedene Strafvorschriften verletzt.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, diese hatte eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren gefordert. Der Verteidiger hatte dagegen auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren plädiert. (Heidi Niemann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.