Arbeit und Leben macht Fachkräfte fit für Arbeitsmarkt

Qualifizierung für gesundheitlich angeschlagene Pflegekräfte

Vom Pfleger zum Ausbilder: Ahmed Salama demonstriert Pflegeschülern, wie man eine Rollstuhlfahrerin in ein Bett hebt. Im Hintergrund rechts Kursleiter Frank Geiersbach und links neben ihm Ausbildungsleiter Matthias Rose. Foto: Papenheim

Göttingen. Während Pflegeeinrichtungen in der Region händeringend nach Fachkräften suchen, gibt es etliche Pflegekräfte, die krankheitsbedingt arbeitslos sind oder frühverrentet werden.

Die Bildungseinrichtung Arbeit und Leben in Göttingen will mit einem Qualifizierungsprogramm sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern in der Pflege helfen.

Matthias Rose, Weiterbildungsleiter bei Arbeit und Leben, und sein Kollege Frank Geiersbach schildern das Problem: Viele Pflegekräfte, Heilerziehungspfleger oder auch Sozialarbeiter werden aus der Bahn geworfen, weil sie nach einem Bandscheibenvorfall, einer Allergie oder wegen eines Burn-out-Syndroms ihren Beruf nicht mehr in der gewohnten Art ausüben können. Nach einer Rehabilitation haben sie ohne Zusatzqualifizierung kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wer will schon einen Pfleger, der über Rückenschmerzen klagt. Was folgt ist oft Arbeitslosigkeit, Hartz IV oder Frühverrentung.

Codierfachkräfte

An dieser Stelle springt Arbeit und Leben ein. Anstatt gesundheitlich angeschlagene Pflegekräfte reihenweise zu schlecht bezahlten Codierfachkräften oder zu Kaufleuten im Gesundheitswesen umzuschulen, bietet die Bildungseinrichtung eine ganze Palette von Qualifizierungsmodulen an. In Maßnahmen, die zwischen sechs und 24 Monaten dauern, werden gelernte Pflegekräfte zu Praxisanleitern oder Pflegeberatern, zu Fachkräften in Gerontopsychiatrie, sozialpsychiatrischer Beratung, Pflegepädagogik oder Gesundheitsberatung.

So ist ein Mitvierziger, der HIV-positiv ist und deshalb keinen Job mehr fand, nach seiner Qualifizierung jetzt Case-Manger an der Berliner Charité, betreut also Patienten, die mit der Vielzahl ihrer Probleme nicht zurechtkommen. Eine 23-jährige Mutter, die wegen einer Allergie nicht mehr in ihrem erlernten Beruf als Kinderkrankenschwester arbeiten kann, lässt sich jetzt zur Fachkraft für Pflegepädagogik ausbilden. Arbeit und Leben wird der Frau im Herbst ein Stelle anbieten.

Besonders gut gelaufen ist aus Sicht von Rose und Geiersbach auch die Qualifizierung von Ahmed Salama. Der gebürtige Palästinenser konnte wegen Rückenproblemen nicht länger in seinem Beruf als Pfleger arbeiten. Jetzt bildet der 49-Jährige Pflegekräfte bei Arbeit und Leben aus. Sein Vorteil: Weil viele Kursteilnehmer Migranten aus dem arabischen Sprachraum sind, kann Salama bei Bedarf mit ihnen in deren Muttersprache reden.

Altenpflegeschule und Qualifizierung bei Arbeit und Leben

Die gewerkschaftsnahe Bildungseinrichtung Arbeit und Leben betreibt in Göttingen eine Altenpflegeschule mit mehr als 200 Schülern und bildet 150 Personen in Qualifizierungs-Module zu Pflegeexperten aus. Neben zehn festen Mitarbeitern im Gesundheitsbereich sind 30 bis 40 Honorarkräfte im Einsatz.

Die Module umfassen 300 bis 824 Unterrichtsstunden und führen zu diesen Abschlüssen: Praxisanleiter, Verantwortliche Pflegefachkraft, Leitungskraft, Basisqualifizierung Gerontopsychiatrie, Fachkraft für Gerontopsychiatrie, Fachkraft für Allgemeinpsychiatrie, Case-Manager, Pflegeberater, Fachkraft für sozialpsychiatrische Beratung, Fachkraft für Pflegepädagogik und Gesundheitsberatung.

Rehabilitanden mit „Anspruch auf Teilhabe“ können für die Dauer von bis zu 24 Monaten Übergangsgeld erhalten.

Kontakt: Arbeit und Leben Niedersachsen Süd gGmbH, Lange Geismar Str. 72-74, 37073 Göttingen, Tel. 0551-49 507-35, E-Mail matthias. rose@aul-nds.info, frank.geiersbach@aul-nds.info.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.