1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

„QualityLand“ im Jungen Theater in Göttingen: Du bist, was das System will

Erstellt:

Von: Steve Kuberczyk-Stein

Kommentare

Ein Leben in der Zukunft: Jan Reinartz (links) und Jens Tramsen in „QualityLand“.
Ein Leben in der Zukunft: Jan Reinartz (links) und Jens Tramsen in „QualityLand“. ©  Dorothea Heise/nh

Das Junge Theater in Göttingen bringt mit „QualityLand“ erneut ein Stück von des Känguru-Satirikers Marc-Uwe Kling auf die Bühne.

Göttingen – Er lebt in der Zukunft und trägt den prägnanten Namen Peter Arbeitsloser. Als seine Liebesbeziehung vom System beendet wird, ist er nur traurig. Als ein Päckchen kommt, überrascht: „Oh ein Quality-Pad, hatte ich mir gar nicht gewünscht.“ Beim nächsten Päckchen, das er erhält, ohne es bestellt zu haben, keimt in ihm die entscheidende Erkenntnis:

„Das System will die Menschen zudem machen, was das System glaubt, dass sie sind.“

Mit seiner Känguru-Satire hat es Marc-Uwe Kling zum Bestseller gebracht. Nun legt er nach. Der 40-Jährige Liedermacher, Kabarettist und Autor hat einen Roman geschrieben: „Qualityland“. Das Junge Theater Göttingen hat Klings düstere Visionen über eine gnadenlos digitalisierte und überwachte Zukunfts-Gesellschaft als szenische Lesung (Regie: Nico Dietrich) auf die Bühne gebracht. Die bestens besuchte Premiere am Freitag wurde von den Besuchern stürmisch gefeiert. Obwohl Qualityland bisweilen etwas an Orwells beklemmenden Roman 1984 erinnert, baut der Stuttgarter auf skurrilem Humor.

Das nächste Paket enthält einen Sex-Vibrator, den er nicht zurückschicken darf. Zorn kommt auf, eine Wandlung vollzieht sich: Peter Arbeitsloser, von den Mächtigen seiner Gesellschaft als Nutzloser eingestuft, besteht auf die Rückgabe und begehrt auf.

Das frisch, frech, gekonnt aufspielende Ensemble, gab den satirischen Möglichkeiten des Stoffes, zur Freude des Publikums, noch mehr Raum. Es wurde viel gelacht. Und das, obwohl Qualityland sicher kein Land zum Träumen ist. Die Bewohner dieses Landes werden in Level eingeteilt, müssen als Nachnamen den Beruf der Eltern wählen und unterliegen einem Algorithmus, der jedwede Individualität verbietet. Androiden sind für alle Dienstleistungen zuständig, Kinder auf natürlichem Weg zu bekommen, ist verpönt.

Peter Arbeitsloser, Klings Hauptfigur, passt nicht in diese Welt. Er fühlt sich oft einsam, ist ein Mensch, der an Gefühle und Individualität glaubt und: Wird gerade deswegen zum Gewinner. Fazit: Ein mit leichter Hand und viel grotesken Witz inszenierter Bühnenspaß, der den Unterhaltungswert des Romans übertrumpft. Die großartigen und wandlungsfähigen Schauspieler – Agnes Giese, Dorothea Röger, Jan Reinartz, Jens Tramsen – machten es möglich. Allein sie als Androiden zu erleben, lohnte das Kommen. Originell und witzig auch die wild zusammengezimmert Requisiten: Ein mit Bürostühlen und zwei Vorderleuchten bestücktes Rollbrett fungierte als Auto, eine Kombination aus Gestänge und Fahrradreifen als Paketfahrzeug. Lang anhaltender Schlussapplaus, den sich auch Marius Prill für seine Untermalungen mit der Gitarre verdiente.

Wieder am 24. und 29. März sowie am 6. und 21 April, jeweils 20 Uhr, Karten: 05 51/ 4 95 015 oder online hier. (Steve Kuberczyk-Stein)

Auch interessant

Kommentare