Quantensprung für Superrechner

Niedersächsischer Forschungsverbund will Quantencomputer entwickeln

Die Sartorius AG in Göttingen ist Teil des neuen Forschungsverbundes.
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Die Sartorius AG in Göttingen ist Teil des neuen Forschungsverbundes.

Das Land Niedersachsen und mehrere Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das bis 2025 einen Quantencomputer entwickeln soll.

Hannover/Göttingen – Dazu soll die Expertise von mehr als 400 Wissenschaftlern der beteiligten Institute gebündelt werden, teilten das niedersächsische Wissenschaftsministerium und die Volkswagen Stiftung am Freitag mit. Mitglied des neuen Forschungsverbundes ist auch der Göttinger Medizintechnikkonzern Sartorius.

Das Konzept der Quantencomputer ist eine Reaktion auf die Tatsache, dass die bislang übliche Entwicklung von Hochleistungscomputern an ihre physikalischen Grenzen stößt. Ein Quantencomputer speichert Informationen nicht wie gängige Computer als Bits, die nur zwei mögliche Zustände annehmen können, nämlich Eins oder Null.

Ein „Qubit“ eines Quantencomputers kann vielmehr beides gleichzeitig sein. Das Quantenteilchen hält solange beide Zustände, bis man es sich ansieht oder misst. Damit können Quantencomputer theoretisch um ein Vielfaches schneller und leistungsfähiger sein als herkömmliche Rechner.

Professor Jürgen Mlynek, Gründungsbeauftragter des Bündnisses, sagte: „Quantencomputer und Quantentechnologien werden die Zukunft bahnbrechend verändern.“ Laut Oscar-Werner Reif, Leiter Forschung und Entwicklung bei Sartorius, ermöglicht die Technologie künftig, riesige Datenmengen in kürzester Zeit zu verarbeiten.

Gründungsinstitutionen des neuen Forschungsverbunds „Quantum Valley Lower Saxony“ sind die Leibniz-Universität Hannover, die TU Braunschweig, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) mit Sitz in Braunschweig, das Albert-Einstein-Institut der Max-Planck-Gesellschaft sowie das Institut für Satellitengeodäsie und Inertialsensorik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Hannover und die Göttinger Sartorius AG.

Mehr als 220 Millionen Euro seien in den vergangenen zehn Jahren in die Quantenforschung geflossen, damit sei die niedersächsische Quantenforschung auf Spitzenniveau, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium. Ziel sei es aber nicht nur, in der Forschung voranzukommen. Mit einer eigenen Geschäftsstelle soll ab Januar 2021 der Technologietransfer in die Wirtschaft und die Start-up-Szene einen Schub erhalten.

Im „Letter of Intent“ des Bündnisses heißt es, Quantentechnologien hätten „tiefgreifende Auswirkungen auf Industrie und Gesellschaft“ und gleichzeitig eine „erhebliche Bedeutung für unsere zukünftige technologische Souveränität“. Das Forschungsfeld stehe nun an der Schwelle zur Kommerzialisierung.

Nach erfolgreicher wissenschaftlicher Begutachtung durch die Volkswagen Stiftung will das Land laut Absichtserklärung das Projekt zusätzlich mit bis zu 25 Millionen Euro unterstützen. Zugleich bewirbt sich das Bündnis um Finanzierung aus Konjunkturpaket und Förderprogrammen des Bundes für Quantentechnologien.  lni/ana

Von Thomas Strünkelnberg

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