Quecksilber-Anschläge: Opfer hätte sterben können

Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Am Donnerstag soll das Urteil in dem Prozess verkündet werden. Archivfoto: bsc

Göttingen. Im Prozess um die Giftanschläge eines verlassenen Ehemannes auf seine Ex-Frau hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen am Montag die Sachverständigen gehört.

Beide Experten erklärten, dass die Anschläge mit Bleiacetat und Quecksilber potentiell tödlich waren.

Die Schwermetallbelastung sei so hoch gewesen, dass die 39-Jährige an den Folgen hätte sterben können. Nach den Berechnungen von Rainer Hartmann, Experte für Umweltschäden und Umweltgifte, hatte die Frau über mehrere Wochen insgesamt fünf Gramm Bleiacetat zu sich genommen. „Das war hart an der Grenze, dass sie das überhaupt überlebt“, sagte der Biologe.

Der 44-jährige Angeklagte soll das Bleiacetat in verschiedene Lebensmittel gemischt haben. Die höchste Dosis fand sich in einem Nahrungsergänzungsmittel. Schon die dort eingebrachte Giftmenge hätte tödliche Folgen für die Ehefrau haben können, sagte Hartmann. Auch Salz, Gemüsebrühe und mehrere Flaschen ihres Lieblingsweins waren mit Blei kontaminiert. Außerdem war das Wohnhaus in einem Ortsteil von Bovenden hochgradig mit Quecksilber belastet. Die Quecksilberwerte hätten weit oberhalb der Richtwerte gelegen, sagte Hartmann. Die höchsten Werte habe man in der Küche und im Büroraum der Ehefrau gemessen.

Sowohl Hartmann als auch der Rechtsmediziner Harald Kijewski kommen in ihren Gutachten zu dem Schluss, dass die Ehefrau bereits im August vergangenen Jahres Quecksilberdämpfen ausgesetzt war. Der Angeklagte hatte dagegen angegeben, erst im September das Quecksilber ausgebracht zu haben. Das Ergebnis der Haaranalyse spreche dafür, dass die Quecksilber-Aufnahme schon früher begonnen habe, sagte Kijewski.

Der erfahrene Toxikologe hat schon viele Blei- und Quecksilbervergiftungen untersucht. Er habe aber noch nie derart geschädigte Haare gesehen, sagte er. Die Ehefrau sei durch die aufgenommenen Schwermetalle „in die Nähe des Todes gebracht“ worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-Jährigen versuchten Mord vor. Er habe seine Ex-Frau heimtückisch und aus Habgier töten wollen, um sich den hohen Zahlungsverpflichtungen zu entziehen, die er bei einer Scheidung zu leisten hätte. Das Gericht will sein Urteil voraussichtlich am Donnerstag verkünden.

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