Überraschung vor Gericht

Quecksilber-Prozess: Angeklagter verlobte sich in Untersuchungshaft

Im Prozess um die Giftanschläge eines verlassenen Ehemannes auf seine Ex-Frau hat der Angeklagte am Dienstag mit einer Überraschung aufgewartet.

Der 44-Jährige verkündete, dass er sich kürzlich in der Untersuchungshaft mit seiner neuen Freundin verlobt habe.

Auf die Frage des Gerichts, wann und wo diese Verlobung denn stattgefunden habe, sagte er, dies sei Mitte Juni bei einem ihrer Besuche in der Justizvollzugsanstalt gewesen. Als sie sich voneinander verabschiedeten, habe er ihr gesagt, dass er sich freuen würde, wenn sie, „wenn ich wieder rauskomme, meine Frau werden würde“. Diese Verlobung hat auch Folgen für den Prozess: Das Gericht hatte eigentlich die neue Lebensgefährtin als Zeugin befragen wollen. Diese kann sich nun auf ein Zeugnisverweigerungsrecht berufen – was sie dann auch am Dienstag tat.

Der Angeklagte hatte seine jetzige Verlobte im September bei einer Oktoberfest-Veranstaltung in Göttingen kennengelernt. Vier Monate vorher hatte seine Ehefrau ihm eröffnet, dass sie sich von ihm trennen wolle. Zum Beginn des Prozesses hatte der 44-Jährige angegeben, dass sie seine Traumfrau gewesen sei und er sie habe zurückgewinnen wollen. Er habe Lebensmittel mit Blei versetzt, damit es ihr schlecht ging und er sich dann um sie kümmern könnte. Als klar war, dass sie nicht zu ihm zurückkehren würde, habe er sie mit Quecksilber umbringen wollen.

Die Polizei stellte bei ihren Ermittlungen fest, dass der Angeklagte diverse Internet-Recherchen zur Anwendung und Wirkungsweise von Blei, Quecksilber und Amalgam angestellt hatte. In den entsprechenden Artikeln seien auch die potentiell tödlichen Folgen beschrieben gewesen, berichtete der ermittelnde Kripobeamte.

Ab August habe der 44-Jährige dann mehrfach über die Verkaufsplattform Ebay alte Schalter gekauft, die Quecksilber enthielten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-Jährigen versuchten Mord vor. Er habe seine Ex-Frau heimtückisch und aus Habgier töten wollen, um sich den hohen Zahlungsverpflichtungen zu entziehen, die er bei einer Scheidung zu leisten hätte. Der Angeklagte will aus Enttäuschung gehandelt haben.

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Rubriklistenbild: © bsc

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