Rachemord-Prozess: Angeklagtem droht lebenslange Haft

Beim Prozessauftakt Mitte August: Am Mittwoch wurde das Verfahren gegen den 28-jährigen Angeklagten fortgesetzt. Foto: Jelinek

Göttingen. Im Prozess um die Ermordung eines 27-jährigen Mannes aus Reiffenhausen droht dem Angeklagten unter Umständen die härteste Strafe, die das Strafrecht vorsieht.

Darauf hat der Vorsitzende Richter Ralf Günther am Mittwoch im Prozess vor dem Landgericht Göttingen hingewiesen. Im Falle eines Schuldspruchs komme auch eine Verurteilung wegen Mordes aus Heimtücke in Betracht, sagte er. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Anklage nur das Mordmerkmal der niederen Beweggründe als erfüllt angesehen. Zusätzlich zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe könnte das Gericht auch die besondere Schwere der Schuld feststellen, sagte Günther. Dies hätte zur Folge, dass der 28-Jährige nicht nach frühestens 15 Jahren mit einer vorzeitigen Entlassung auf Bewährung rechnen könnte.

Der 28-Jährige hatte auch am zweiten Verhandlungstag keine Angaben zu den Anklagevorwürfen gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Anfang Februar den 27-jährigen Bruder seiner damaligen Freundin erschossen zu haben. Zuvor soll er sein Opfer mit einer fingierten Flirt-SMS in die Feldmark von Reiffenhausen gelockt haben. Der Angeklagte habe sich dafür rächen wollen, dass der Bruder ihn mehrerer Diebstähle überführt hatte und er deswegen aus dem Haus hatte ausziehen müssen, in dem seine Freundin mit ihren Eltern und ihrem Bruder lebte.

Aktualisiert um 16.20 Uhr.

Der 27-Jährige sei von mindestens sechs schnell aufeinander folgenden Schüssen getroffen worden, sagte der Rechtsmediziner Professor Wolfgang Grellner. Einer der Schuss durchschlug Herz und Lunge. Das Opfer sei innerhalb weniger Minuten verstorben. Möglicherweise habe der Schütze auf einer Bank gesessen und von dort auf den 27-Jährigen gefeuert. Die Spurensicherung hatte in der Nähe der Bank Bonbonpapiere gefunden. Bonbons der gleichen Marke fanden sich auch im Wohnhaus und dem Firmenwagen des Angeklagten.

Sollte das Gericht ihn des Mordes für schuldig befinden, müsste er mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen. Bei einem erwachsenen und voll schuldfähigen Angeklagten gibt es keinen Ermessensspielraum. Sollte die Kammer auch eine besondere Schwere der Schuld feststellen, müsste der 28-Jährige weit mehr als 15 Jahre Haft verbüßen. Sollte er die Tat begangen haben, so der Vorsitzende Richter, könnte sich nach der vorläufigen Beurteilung des Falles lediglich ein Geständnis mildernd auswirken.

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