Rachemord-Prozess Reiffenhausen: Die Mär vom unbekannten Dritten

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Gewaltverbrechen: Nahe der Autobahn 38 bei Reiffenhausen war das 27-jährige Opfer im Februar gefunden worden.

Göttingen. Im Prozess um die Ermordung eines 27-Jährigen aus Reiffenhausen (Kreis Göttingen) haben am Dienstag Polizisten vor dem Landgericht Göttingen ausgesagt.

Dabei ging es unter anderem um vier Briefe, die im Juni in der Zelle des 29-jährigen Angeklagten sichergestellt worden waren. Darin schildert ein angeblicher unbekannter Dritter, wie sich die Tat zugetragen haben soll. Demnach soll das spätere Mordopfer ein Komplott angezettelt haben, damit der Angeklagte aus dem Wohnhaus der Familie auszieht. Der Unbekannte will dem 27-Jährigen dabei geholfen haben. Später sei es zum Streit gekommen, weil der 27-Jährige ihm nicht das versprochene Honorar habe zahlen wollen. Dabei seien die tödlichen Schüsse gefallen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es diesen angeblichen Unbekannten gar nicht gibt. Sie wirft dem 29-jährigen Angeklagten vor, Anfang Februar den 27-jährigen Bruder seiner damaligen Freundin erschossen zu haben. Zuvor soll er sein Opfer mit einer fingierten Flirt-SMS in die Feldmark gelockt haben.

Der Angeklagte habe sich dafür rächen wollen, dass der Bruder ihn mehrerer Diebstähle überführt hatte und er deswegen aus dem Haus hatte ausziehen müssen, in dem seine Freundin mit ihren Eltern und ihrem Bruder lebte.

Die Polizei hatte die Leiche des 27-Jährigen zehn Tage nach dessen Verschwinden in der Feldmark gefunden. Kurz darauf wurde der 29-Jährige festgenommen. Er hatte zunächst angegeben, am mutmaßlichen Tattag gearbeitet zu haben. Dies war, wie sich herausstellte, gelogen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass auch die Briefe, die in seiner Zelle im Rosdorfer Gefängnis gefunden wurden, getürkt sind. Ihrer Ansicht nach hat der Angeklagte die Briefe selbst verfasst, um mit der Erfindung eines vermeintlichen unbekannten Dritten den Verdacht von sich wegzulenken. Dafür gebe es diverse Indizien. Einige Details, die in den Briefen geschildert werden, könnten nur Insider wissen, sagte ein Polizist.

Keine Emotionen

Die Polizisten wunderten sich darüber, dass der 29-Jährige bei den Vernehmungen keinerlei Emotionen zeigte. Ähnliches hatte kürzlich auch dessen Vater in seiner Zeugenaussage berichtet. So soll der Angeklagte kurz nach der mutmaßlichen Tat ohne erkennbare Gefühlsregung Pizza gegessen haben und anschließend vor dem Fernsehen eingeschlafen sein. Der Prozess wird übernächste Woche fortgesetzt. (pid)

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