Rachemordprozess: Angeklagter bezichtigt ominösen Dritten

An der Autobahn 38: Das Opfer war im Februar in der Nähe von Reiffenhausen gefunden worden. Archivfoto: Rampfel

Göttingen. Im Prozess um die Ermordung eines 27-jährigen Mannes aus Reiffenhausen hat sich am Montag erstmals der Angeklagte zu den Vorwürfen geäußert.

In der von seinem Verteidiger Tobias Pohl verlesenen Erklärung bestritt der 29-jährige, etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Stattdessen stecke ein ominöser Dritter namens Artur dahinter, zu dessen Identität er allerdings keine weiteren Angaben machte.

Die schriftliche Einlassung endet damit, dass er der Familie des Getöteten sein Beileid bekundet. Es tue ihm leid, „was passiert ist.“

Die Angehörigen des Mordopfers, die in dem Prozess als Nebenkläger auftreten, hatten sichtlich Mühe, die Fassung zu bewahren. Die Mutter des Mordopfers verließ weinend den Saal.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es den angeblichen Dritten gar nicht gibt und der 29-Jährige den Mord begangen hat. Dieser habe Anfang Februar den 27-jährigen Bruder seiner damaligen Freundin mit einer fingierten Flirt-SMS in die Feldmark gelockt und dort erschossen. Der Angeklagte habe sich dafür rächen wollen, dass der Bruder ihn mehrerer Diebstähle überführt hatte und er deswegen nach zehn Monaten aus dem Haus hatte ausziehen müssen, in dem seine Freundin mit ihren Eltern und ihrem Bruder lebte. In seiner Einlassung gibt der Angeklagte zu, dem Bruder seiner Freundin die SMS geschickt zu haben. Allerdings will er dies im Auftrag des ominösen Artur getan haben. Dieser habe ihn nach seinem Rauswurf aus dem Wohnhaus seiner Freundin mehrfach angerufen und darüber aufgeklärt, dass er Opfer eines Komplotts geworden sei. Deren Bruder habe die angezeigten Diebstähle selbst begangen, um den Freund der Schwester aus dem Haus werfen zu können.

Nach der Version des Angeklagten soll der vermeintliche Anrufer dem Bruder zunächst bei den Diebstählen geholfen, sich dann aber mit ihm zerstritten haben, weil dieser ihm noch Geld geschuldet habe. Artur habe ihn beauftragt, den Bruder zu einem Treffpunkt zu locken. Im Gegenzug würde er ihm Fotos liefern, die beweisen würden, dass der Bruder die Diebstähle begangen habe.

Laut dem am Montag vorgestellten Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen finden sich bei dem Angeklagten keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung, die seine Schuldfähigkeit beeinträchtigen könnte.

Der 29-Jährige neige zwar dazu, sich in seiner Selbstdarstellung „von den Tatsachen zu entfernen“, sagte der Sachverständige. Der Prozess wird fortgesetzt.

Lesen Sie auch:

-Rachemord-Prozess in Reiffenhausen: Polizist sagt aus

-Mann aus Rache in Reiffenhausen getötet: Weitere Termine im Prozess

-Mordprozess: Verhandlung am Tatort bei Reiffenhausen

-Rachemord-Prozess: Urteil soll im Januar gesprochen werden

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.